Lehrlinge ( 1973)
aus : Otto Seeber/Yorick Spiegel ( Hg,) Behindert Süchtig Obdachlos., München 1973 S 135ff.
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Die Aktionen der Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Lehrlinge Duisburgs (AULD)
Der folgende Beitrag will darstellen,, wie in Duisburg die Lehrlingsaktionen begannen, mit welchem Ziel sie geführt wurden und was sie erreichten. Dabei sollen auch die Konflikte aufgezeigt werden, die durch die Aktionen zwischen der Arbeitsgemeinschaft, der Kirche und den Gewerkschaften aufbrachen.
Vorgeschichte
Im Jahre 1969 trat ich mein „Amt“ als Berufsschulpfarrer an der kaufmännischen Schule in Duisburg an. Schon kurz nach meinem „Amtsantritt“ kam es zu Unterrichtsgesprächen über die Situation der Lehrlinge in den Betrieben, die die katastrophalen Missstände in der Lehrlingsausbildung deutlich machten.
Die Motivation zu diesen Gesprächen war zunächst völlig unpolitisch. Es ging darum, die Interessen der Schüler kennen zu lernen, um daraufhin gemeinsam mögliche Inhalte des Religionsunterrichts festzulegen. Als Zielvorstellung schwebte mir damals noch das Konzept einer vom Evangelium her motivierten „Lebenshilfe“ vor. Diese Vorstellung stimmte mit dem Lehrplan und der herrschenden Praxis des Religionsunterrichts an der Berufsschule überein. Da mir aber die Missstände in der Lehrlingsausbildung derart massiv und grundsätzlich erschienen und die Lehrlinge aus Angst vor ihren Arbeitgebern und ihren Eltern an ihrer Situation nichts verändern konnten oder wollten, reichte das Konzept individueller Lebenshilfe nicht aus.
Auch die Dienstanweisung sah für solche Strukturmängel keinen „Auftrag“ vor: „Der Berufsschulpfarrer soll auch außerhalb der Schulzeit die Verbindung zu seinen Berufsschülern-(innen) pflegen. Durch Besuch der Elternhäuser, Arbeitgeber, Werksleiter und Innungen soll er sich über die innere und äußere Lage der Jugendlichen unterrichten“, heißt es dort. Immerhin wird die Aufgabe der „Unterrichtung“ gefordert. Sehr bezeichnend ist es allerdings, daß die Gewerkschaften bei der Aufzählung fehlen; das ist sicherlich kein bloßes Versehen! Ein Auftrag, die „innere und äußere Lage der Jugendlichen“ eventuell zu verändern, schien - wie sich später
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auch herausstellte - damit nicht verbunden zu sein. Neben der Information bei den zuständigen Stellen (s. u. ) suchte ich nach einem Weg zur Veränderung der Verhältnisse, die über Einzelfallhilfe hinausgehen sollte.
Der erste Schritt war, dass ich ein Papier „Vorschläge zur Reform der Lehrlingsausbildung“ konzipierte, das aus Äußerungen der Lehrlinge bestand und deshalb mehr am Vorfindlichen orientiert war. Dies Papier wurde in den Klassen mit Lehrlingen diskutiert und verändert. Dann folgten Gespräche mit Kollegen in der Schule, mit Gewerkschaftern und Ausbildern. Ein politisch strategisches Konzept war noch nicht vorhanden. Da mir als Theologe von meiner Ausbildung her die nötige Sachkenntnis fehlte, las ich mich in die Literatur zur Lehrlingsausbildung ein“(61). Von der akademischen, evangelischen Sozialethik her fand sich keine mir ausreichend erscheinende Antwort auf die Probleme. Wie verhielten sich nun einzelne kirchliche Gremien in Duisburg zur Situation der Lehrlinge in den Betrieben?
Die Vorschläge zur Reform der Lehrlingsausbildung wurden im Konvent der Berufsschulkatecheten und -pfar-rer diskutiert. Man beschloss, an den Problemen weiterzuarbeiten, aber die konkreten Aktionen dem Einzelnen zu überlassen (62). Eine Solidarisierung fand nicht statt.
Diese Verweigerung beleuchtet die Situation der Berufsschulpfarrer und Katecheten, die wöchentlich bis zu 400 Lehrlinge unterrichten und die schweren Missstände in der betrieblichen Ausbildung genau kennen. Der Sozialsekretär der Synode von Duisburg schlug nach zweimonatigem Schweigen zu meinen ‘Vorschlägen` „Über- legungen“ und ein politisches Nachtgebet vor. Öffentliche Aktionen sah er als sinnlos an und verweigerte deshalb seine Teilnahme.
Ähnlich verlief ein Gespräch mit den örtlichen DGB-Vorstandsmitgliedern. Es hießt, die Gewerkschaften täten genug für die Lehrlinge; Demonstrationen und Aktionen auf der Straße könnten sie nicht unterstützen. Außerdem hätte jeder Lehrling als Gewerkschaftsmitglied Rechtsschutz, dies sei vollkommen ausreichend. Das Ergebnis dieser ersten Versuche, die zuständigen Institutionen zur gemeinsamen Aktion zur Veränderung
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der Ausbildung zu bewegen, war also enttäuschend. Die „Aufgeschlossenheit“ für die Probleme endete bei bloßen verbalen Erklärungen.
Wie wirkten sich diese negativen Erfahrungen auf die Arbeit mit den Lehrlingen aus?
Die Möglichkeiten, eine breite Solidarisierung innerhalb der Kirche und den Gewerkschaften zu finden, schien erschöpft zu sein. Der Religionsunterricht in der Berufsschule bot eine zu dünne und unsichere Basis, um von da aus zusammen mit der erst langsam sich politisch artikulierenden SMV Aktionen vorzubereiten. Es blieb als einziger Ausweg, sich außerhalb der Schule zu organisieren und die Aktionen vorzubereiten.
Allerdings war es wichtig, dass sich die Lehrlinge jede Woche einmal in der Berufsschule trafen und im Unterricht ihre Probleme diskutieren konnten. Im Gegensatz zu anderen Unterrichtsfächern besitzt der Religionsunterricht einen größeren Spielraum, auf die aktuellen sozialen Fragen der Lehrlinge einzugehen. Die Ziele und die Erfahrungen bei den Aktionen wurden besprochen und kritisiert; die konkrete politische Lage sowie deren sozio-ökonomischen Ursachen reflektiert.
Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Lehrlinge Duisburgs (AULD)
Ein „progressives“ Schülerforum des Katholischen und Evangelischen Jugendpfarramtes veranstaltete eine öffentliche Diskussion über die Ausbildungssituation der Lehrlinge in den Betrieben. Es wurde über die Lehrlingsdemonstrationen und Aktionen in Essen und in anderen Städten der BRD berichtet und die Notwendigkeit einer breiten Solidarisierung erörtert. Ungefähr fünfzehn Jugendliche, darunter Schüler aus dem Republikanischen Club, Lehrlinge, Gruppenmitglieder der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) und Junggewerkschafter schlössen sich im Nov. 1969 zur Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Lehrlinge Duisburgs zusammen. Nach mehreren Sitzungen einigte man sich auf ein Grundsatzprogramm: Beseitigung konkreter Missstände in Betrieben, Werkstätten, Groß- und Einzelhandelsverkaufshäusern durch gezielte Aktionen. Die Arbeitsgemeinschaft nannte sich unabhängig, um „bloße Interessenvertretung Einzel-
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ner wie auch verlängerter Arm von Institutionen, Parteien oder Verbänden und deren Einzelinteressen zu sein“ auszuschließen.
Kooperation sollte nur insoweit angestrebt werden, als diese Unabhängigkeit nicht gefährdet wird. Hier zeigte sich der Einfluss der Schüler der „antiautoritären Phase“: „Misstrauen gegenüber allen Autoritäten, jedoch mit dem von den Erwachsenen eingebrachten Moment der „Kooperation“ mit den Institutionen.
Diese Abgrenzung führte - wie zu erwarten war – zu Konflikten mit anderen Gruppen der Industriegewerkschaft Metall, linker Jugendorganisationen und auch innerhalb der Arbeitsgemeinschaft selbst. Andererseits wurden aber auch andere Lehrlinge für die Mitarbeit in der AULD gewonnen, die sich nicht mit irgendeiner Organisation, Partei oder Institution völlig identifizieren wollten. Außerdem ermöglichte diese Unabhängigkeit, dass wir uns in einem Ev. Jugendheim treffen konnten. Es war eines unserer wichtigen Ziele, die noch unpolitischen, aber unter Pressionen stehenden Lehrlinge, durch Planung und Durchführung konkreter Aktionen in Duisburg zu einem politischen Bewußtsein ihrer eigenen Lage zu führen63). Als Modell diente die „Arbeitsgemeinschaft gewerblicher und kaufmännischer Lehrlinge in Essen“, mit der wir in losem Kontakt blieben.
Die Fragebogenaktion und die Gewerkschaft Nachdem ein Versuch fehlgeschlagen war, konkrete Missstände in einem Textilgroßkaufhaus aufzudecken und beseitigen zu helfen, wurde die Fragebogenaktion beschlossen und durchgeführt.
Die Ausarbeitung des Fragebogens unter Mithilfe einiger Beruf s schullehrer (GEW), von denen sich einige bald wegen „zu radikaler Methoden“ von uns trennten, erbrachte eine Stabilisierung der Gruppe. Die Arbeitsteilung beider Durchführung der Aktion ließ aufgebrochene Kontroversen innerhalb der Gruppe über die politischen Ziele in den Hintergrund treten. Fragebögen mußten gedruckt werden, Stände aufgebaut, Plakate gemalt und die Organisation und Durchführung der Aktion geplant werden. Unter großem persönlichen Einsatz wurde dann später auch die Befragung drei Wochen lang vor den Berufsschulen in Duisburg
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Die regionale und auch überregionale Presse berichtete positiv über die Aktion(64). Einige Seitenhiebe in der Presse gegen die Gewerkschaften führten zu einer von uns nicht beabsichtigten Leserbrieffehde. Sie wurde beigelegt, indem man sich einigte: öffentliche Polemik sollte vermieden werden; konkrete Zusammenarbeit in Einzelfällen, Rechtshilfe für Gewerkschaftsmitglieder wurde angeboten. Die Methoden politischer Aktion blieben kontrovers. Einige Gewerkschaftsmitglieder, die mit der AULD sympathisiert hatten, distanzierten sich von ihr.
Eine wirkliche Kooperation mit der Gewerkschaft, besonders mit der Industriegewerkschaft Metall, erwies sich vor allem deshalb als unmöglich, weil die politischen Inhalte gegensätzlich blieben: Die Gewerkschaftsfunktionäre gaben klar zu verstehen, dass sie durch die Tarifverträge und durch die Friedenspflicht des BVG in ihrer Aktionsfreiheit gebunden seien und dies auch für richtig hielten. Die Verflechtung mit der SPD, die gerade an die Regierung gekommen war, mag ein weiteres Moment für ihr Verhalten gewesen sein.
Hinzu kam, dass die Gewerkschaften mit dem neuen Berufsbildungsgesetz aus dem Jahre 1969 Sitz und Stimme in den Berufsbildungsausschüssen der Industrie- und Handelskammern erhielten. Diese Position wollten die Gewerkschaften nicht schon vor der Konstituierung der Ausschüsse gefährden.
So bedeutete Kooperation praktisch nichts anderes als die Kontrolle über die Aktivitäten nicht zu verlieren. Die Gewerkschaften in Duisburg setzten also eher auf die institutionelle Macht als auf die „Macht von unten“. Das versprochene Lehrlingszentrum wurde bis heute nicht errichtet; die Hoffnungen vieler Mitglieder der AULD, ihre Arbeit in der Gewerkschaft direkt fortzusetzen, nachdem die AULD an die Grenzen ihrer organisatorischen Möglichkeiten gekommen war, sind also bitter enttäuscht worden.
Ist oder war Duisburg ein Sonderfall gewerkschaftlicher Politik? Das Dilemma für jeden fortschrittlichen Bürger ist m. E. deutlich: Wer für die Rechte der Arbeitnehmer kämpfen will, muß dies zT. gegen die Politik der Gewerkschaft tun. Die Frage ist aber, ob dieser Kampf ohne oder in der Gewerkschaft geführt werden kann und
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Die Fragebogenaktion und die Kirche
Die AULD war an den Sozialethischen Ausschuss der Kirchenkreise Duisburgs herangetreten, der zusammengesetzt war mit dem Sozialsekretär als Vorsitzenden, mit Pfarrern, Arbeitnehmern,, Arbeitgebern, dem DGB-Vorsitzenden in Duisburg, um eine finanzielle Unterstützung für die Fragebogenaktion zu bekommen. Der Ausschuß beschloß einen Zuschuss zu gewähren, jedoch nur unter der Bedingung, „dass sich die Gruppe zur Konsultation und zur Kooperation mit dem Ausschuss . . . bereit erklärt und verpflichtet“.
Unter Konsultation und Kooperation verstand der Ausschuss „die gemeinsame Planung aller öffentlichen Aktionen und Veranstaltungen der Gruppe“. Außerdem forderte er, dass alle weiteren Bemühungen „in Zusammenarbeit mit den zuständigen Institutionen wie Gewerkschaften, Kammern, Innungen usw.“ unternommen werden müssten.
Diese Bedingungen waren für die AULD unannehmbar. Sie hätten den Verzicht auf jede eigenständige Arbeit der Lehrlinge bedeutet und diese den Spielregeln unterworfen, die auch die Gewerkschaften daran hindern, die Interessen der Lehrlinge wahrzunehmen.
Die Zusammenarbeit mit den Institutionen war aber schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich, weil sich die Kammern, ähnlich wie die Gewerkschaften, weigerten, mit Gruppen zu verhandeln, die an dem bestehenden Ausbildungssystem radikale Kritik übten. Die Fragebogenaktion wurde von ihnen von vorneherein diskreditiert. Dem Sozialethischen Ausschuss war dieser Sachverhalt bekannt. Die Aufforderung der Zusammenarbeit mit allen zuständigen Institutionen erschien von daher als Verschleierung der tatsächlichen Verhältnisse.
Die Kirche in Duisburg erwies sich in dieser Auseinandersetzung als eine systemerhaltende Kraft. Sie hatte ihre Rolle als eigenständige Institution verneint. Das immer wiederkehrende Argument, die Kirche müsse „überparteilich“ sein, erweist sich in Wirklichkeit als Parteilichkeit für die Interessen der Herrschenden, das heißt in diesem Fall für die Interessen der Unternehmer gegen die Interessen der Lehrlinge.
Versucht man die Haltung der kirchlichen Gremien Duisburgs gegenüber den aktuellen Lehrlingsproblemen einer
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kritischen Beurteilung zu unterziehen, so muß man feststellen, daß sie die sozialen wie bildungspolitischen Probleme überhaupt nicht gesehen haben. Es kam kein einziges Mal zu einer echten, sachlichen Diskussion über diese Fragen. Die sogenannten „brüderlichen Gespräche“, die der Kreissynodalvorstand, meine Anstellungsbehörde, mit mir führte, zielten auf Jlaw and order`. Nicht die Situation der Lehrlinge in der betrieblichen Ausbildung interessierte meine Dienstbehörde, sondern einzig und allein meine Person und meine politische Einstellung. Da die Mitglieder des Kreissynodalvorstandes großenteils mittelständisch-bürgerlicher Herkunft waren, gaben sie deutlich zu verstehen, daß ein Theologe bei allem sozialpolitischen Engagement auch eine Fürsorgepflicht für die Handwerkerschaft habe! 66) Diese würde sonst auch noch ([) an der Kirche irre.
Falls ich nicht bereit sein sollte, meine aktive Unterstützung der Lehrlingsaktionen einzuschränken, drohte man mir offen Sanktionen an.
Um die Arbeit der AULD nicht unnötig zu belasten, wurde dieser Konflikt mit der Kirche nicht weiter ausgetragen. Ich selbst zog damals zunächst den Schluß daraus, daß politische Arbeit innerhalb und mit der Kirche ein unnötiger Kräfteverschleiß ist.
Trotz dieser persönlichen Schwierigkeiten mit meiner Kirchenbehörde, und trotz des Stillhalteabkommens der Gewerkschaften, hatten die Lehrlingsaktionen in Duisburg und die Veröffentlichung der Fragebogenergebnisse durch die Presse, die öffentliche Diskussion über die Lehrlingssituation angefacht.
Es bleibt nur zu hoffen, daß die Kirche sich in Zukunft dieser sozialen und politischen Fragen nicht verschließt, sondern sie zum Gegenstand ihrer sozialen Verantwortung macht.
Anmerkungen
61) Vgl. u.a. M. Baethge, aaO. ; Deutscher Bildungsrat. Zur Situation der Lehrlingsausbildung, aaO. ; W. Lempcrt/H. Ebel, aaO. ; G. Stütz, aaO. ; Fr. Nyssen, Schule im Kapitalismus, 1970.
62) Mit ein Grund für das vorsichtige Taktieren waren die Vorfälle in Essen, wo zwei ev. Beruf sschulpfarrer auf Betreiben des Bezirks-beauftragten versetzt wurden, weil sie sich aktiv für die Interessen ihrer Schüler eingesetzt hatten, vgl. E. T. Böttcher/Kl. Schmidt, An der Seite der Lehrlinge, in: akid Nr. 2/1969, 14-18.
63) Vgl. H. Giesecke u.a., Politische Aktion und politisches Lernen, 1970.
64) Vgl. u.a. WAZ vom 28. 2. 1970, „Überall im Revier proben Lehrlinge den Aufstand“.
65) Vgl. dazu: O. Jakobi/W. Müller-Jentsch/E. Schmidt, Gewerkschaften und Klassenkampf, 1972; S. G. Papcke (Hg.), Anpassung oder Widerstand? Gewerkschaften im autoritären Staat, 1969; M. Schumann/Fr. Gerlach/A. Gschlössl/P. Milhofi’cr, Am Beispiel der September-Streiks - Anfang der Rekonstruktionsperiode der Arbeiterklasse?, 1971; E. Schmidt, Ordnungsi’aktor oder Gegenmacht. Die politische Rolle der Gewerkschaften, 1971; Fr. Deppe/Jutta v. Freyberg u.a. , Kritik der Mitbestimmung, Partnerschaft oder Klassenkampf’?, 1969.
66) Zum Verhältnis „Kirche und Handwerk“ demnächst vom Vf. in: Kirche und Klasscnbindung, hg. von Y. Spiegel, 1973.
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Meine Ausbildung und mein Beruf Kompetenzen erwerben mit Lebendigem Lernen (TZI)
Handlungsorientiertes Lernen
Im BRU geht es um den Erwerb von Kompetenzen, in beruflichen „Lebenssituationen authentisch, angemessen, kritisch, solidarisch und hoffend zu handeln“ (Richtlinien, S. 13). „Lebendiges Lernen“, eher bekannt unter der Bezeichnung „Themenzentrierte Interaktion“ (TZI; Cohn 1974), eignet sich dafür in besonderem Maße. In der TZI sind äußere und innere Realität Ausgangs- und Zielpunkt. Ausbildung und Beruf sind für die Mehrzahl der Auszubildenden zentraler Lebensinhalt. Die Tatsache, schon im Berufsleben zu stehen und Geld zu „verdienen“, vermittelt ihnen ein starkes Gefühl des Selbstwerts gegenüber anderen Gleichaltrigen. So ist der Beruf für 84 % der berufstätigen Jugendlichen Hauptbezugspunkt ihres Lebens. Dabei sind 31 % ausgesprochen berufsorientiert, 30 % „ausbalanciert“ zwischen Arbeit und Freizeit, 23 % „familienorientiert“ (13 % der männlichen, 34 % der weiblichen Jugendlichen) und nur 16 % „freizeitorientiert“ mit „relativ hoher Distanz zur Arbeit“ (Baethge 1988, S. 70f). Dies bedeutet, daß sie in der Phase der Umorientierung ihrer Identitätskonzepte starkem Entscheidungs- und Verantwortungsdruck ausgesetzt sind und sein wollen (Kryszon 1991). Sie geraten in Konflikte zwischen eigenen Bedürfnissen und fremden Interessen, Lebenskonzepten und moralischen Ansprüchen, Traum und Realität, Allmachtsphantasien und Ohnmachtsgefühlen. „Widersprüche und Brüche im Prozeß der Identitätsfindung“ (Grösch 1987) sind aufzulösen oder auszuhalten. Durch zunehmende Technisierung steigen die fachlichen Anforderungen. Eine stabile Persönlichkeit, Verantwortungsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit in Teams werden verlangt. Diese bisher „extrafunktionalen“ Qualifikationen werden zunehmend zu „Schlüsseln“ für den Eintritt in die Erwerbsarbeit und darüber hinaus. Die bisherigen Konzepte der Lebensbewältigung reichen nicht mehr aus. So werden Lernprozesse notwendig, die - ganzheitlich und konkret - fachliche, persönliche und soziale Aspekte miteinander verbinden und thematisieren. (è Bader; Henn) Dies umzusetzen bietet sich die TZI an. In ihr wird die Balance von Thema, Person und Gruppe unter Berücksichtigung der spezifischen Rahmenbedingungen (Globe) mit dem Ziel der „Selbstmächtigkeit“ in Kooperation und in Verantwortung (Chairperson) lebendig erlebt und gelernt.
Schaubild 8: TZI-“Globe“ in GrundformTZI ist zunächst eine Methode des Lernens in Gruppen (Interaktionsmodell). Mit den Postulaten „Sei Deine eigene Chairperson“ und „Störungen haben Vorrang“, in Verbindung mit Hilfsregeln, bietet die TZI ein Ausbildungskonzept. Mit Hilfe unterschiedlicher Verfahren je nach beruflicher Verwendung soll das flexible Ausbalancieren von Sache, Person und Gruppe, unter Berücksichtigung von Rahmenbedingungen, erlernt werden. Dementsprechend kommen therapeutische, gruppendynamische (è Autschbach: Gruppenarbeit), rollen- und spielpädagogische (è Pantel) sowie schulpädagogische Methoden zum Einsatz. Dabei ist der Bezug auf die jeweilige Situation („hier und jetzt“, aber auch „einst und dann“) wichtig. Dieses (technische) Interaktionsmodell erhält seine Füllung durch wertsetzende Axiome und Postulate. Mit ihnen soll aus der Bewußtheit für die „Autonomie“ und für die kosmische „Interdependenz“ die Haltung der Ehrfurcht, des Respekts, der Anteilnahme und die Bereitschaft zum Engagement für alles Lebendige und sein Wachstum gestärkt werden (Cohn 1974). In diesen Wertsetzungen zeigen sich Parallelen zwischen TZI und wesentlichen Inhalten der jüdisch-christlichen Tradition, sie eignet sich also auch für den RU (Stollberg 1982, S. 146ff) und für die Unterrichtsplanung überhaupt (Schulz 1981). Die Umsetzung von TZI erfordert eine entsprechende Ausbildung. In ihr lernen die Leitenden der Lerngruppen die Kompetenz der „teilnehmenden Leitung“. Damit sollen Grenzen zwischen Lehrperson und Lernenden aufgehoben werden, ohne Leitungsverantwortung aufzugeben („selektive Authentizität“). Diese „Schulung“ sollte durch eine berufsbegleitende Supervision ergänzt werden, damit die Qualifikation erhalten bleibt.
Themen eines Curriculums nach TZI
Nach meinen Erfahrungen ergeben sich folgende thematischen Aspekte zum Themenfeld „Meine Ausbildung und mein Beruf“: - Meine Berufswünsche in der Kindheit - Meine Wege zum Ausbildungsberuf - eigene Motive (Wünsche, Träume, Erwartungen) - Einflüsse von außen (Eltern, Schule ...) - Hindernisse und eigene Schritte zur Ausbildung - Meine Situation als Auszubildende/r - Meine Begabungen und Schwächen - Fachliche Qualifizierung - Leistung - Versagen - Meine Kontakte zu anderen - Kollegialität - Konflikte mit anderen - Interessenvertretung - Autorität - Anpassung - Gehorsam - Widerspruch - Mein Status jetzt und der meines Berufes - Vergütungen - Geld - Rahmen: Organisation - Arbeitszeit - Urlaub - Sinn der Arbeit - für mich, für andere - Zukunftsperspektiven in und mit dem Beruf als ... - persönliche Perspektiven nach der Ausbildung - Arbeitsmarktperspektiven im erlernten Beruf - Zukunft der Arbeit und meine Zukunft - Mein Beruf in der Perspektive meines Lebens Diese Themen geben den größeren Sachzusammenhang an und enthalten erste „Engführungen“ (Mein ...). Ihre spezifische TZI-Färbung erhalten sie durch eine sorgfältige Formulierung. Dabei werden Sachaspekt, Personenbezug, Gruppenorientierung und globaler Bezugsrahmen möglichst konkret und sprachlich angemessen auf die Situation in der Lerngruppe hin zugespitzt. Im „handlungsorientierten Lernen“ (è Bader; Henn) sind die Themen Angebote, die von den LER gewählt oder im Prozeß des Lernens gewünscht werden. Insofern ist die obige Auflistung kein geschlossenes Curriculum, sondern ein thematischer Rahmen.
Elemente für das Curriculum nach TZI
Der Einsatz der folgenden Elemente hängt vom Maß an Vertrautheit mit und innerhalb der Lerngruppe ab. Die folgenden zwölf Beispiele sind zumeist einzeln zu verschiedenen situativen Anlässen eingesetzt worden: Zu Beginn des BRU, nach dem 1. Jahr, vor der Zwischenprüfung, am Ende der Ausbildung: wenn in der Lerngruppe das Thema „dran“ war. Sequenzen aus mehreren Elementen dauern etwa vier Unterrichtswochen. Alle Beispiele sind (mit wechselndem „Erfolg“) unterrichtlich erprobt. Sie werden unterschiedlich ausführlich vorgestellt, weil manches als bekannt vorausgesetzt werden kann.
Mein Traumberuf - einst und jetzt
Schaubild 9: TZI-“Globe“: Meine Ausbildung
Auswertung: 1. Gemeinsamkeiten - Unterschiede 2. Ich gebe meiner Ausbildung eine Note (von 1 - 6) 3. Was ist typisch, was speziell für meine Situation? Ziel: Urteilskompetenz erwerben
Veränderungswünsche
TZI-Thema: „Mir gefällt einiges nicht in meiner Ausbildung - was ärgert mich - worüber will ich mich beschweren - was wünsche ich mir - wie will ich diesen Wunsch zum Ausdruck bringen?“ 1. Schritt: Fragenbogen (im Anschluß an Vopel, 1981, S. 139ff): Was ärgert mich in Bezug auf Vorgesetzte, Kollegen, Arbeitsbedingungen, Zeitgestaltung, Organisation, Entgelt, fachliche Förderung, meine Tätigkeiten ...? 2. Schritt: Meine wichtigste Beschwerde formulieren (z.B.: „Ich lerne nichts“). 3. Schritt: Meine Forderung benennen (z.B.: „Ich will, daß mein Chef mir echte Aufgaben gibt und mir gründlich erklärt“). 4. Schritt: Was kann ich allein - mit anderen - tun, um über meine Hauptforderung in Verhandlungen einzutreten? Ziel: 1. Frust über Mißstände in der Ausbildung artikulieren. 2. Wünsche, Anregungen, Forderungen präzisieren. 3. Handlungsschritte allein oder mit anderen planen und probieren.
Konflikte
Fächerübergreifendes Simulationsspiel: Kaufhaus hält Ausbildungsplan nicht ein - Auszubildende verweigert Arbeitsaufnahme. Dauer 3 - 4 Doppelstunden. Einstieg: Reißerischer BILD-Titel „Fauler Lehrling“. Aufgewiegelt durch einen Gewerkschaftsfunktionär weigert sich Brigitte Z., die ihr aufgetragene Arbeit im Lager aufzunehmen. Es ist ihr einfach zu lästig, dort zu arbeiten. Ihr Chef: „Wo kämen wir denn hin, wenn wir so etwas einreißen ließen ...!?“ Das Kaufhaus kündigt ihr wegen Arbeitsverweigerung. Fachleute: „Die Jugend von heute hat immer weniger Bock auf Arbeit. Sie ist verwöhnt ...“ Der wahre Sachverhalt: Die Auszubildende - 1. Jahr - arbeitete vom 1.1. bis zum 30.4. im Lager. Sie hätte laut Ausbildungsplan ab 1.4. im Verkauf Damenoberbekleidung ausgebildet werden sollen. Das geschieht nicht. Brigitte Z. weigert sich, die Arbeit im Lager fortzusetzen. Der Ausbildungsleiter schickt sie nach Hause: „Ihr Ausbildungsverhältnis ist mit sofortiger Wirkung beendet.“ Am Simulationsspiel Beteiligte: Die Betroffene (Mitglied in der Gewerkschaft), die Jugendvertretung/der Betriebsrat, das örtliche Büro der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), die Kaufhausleitung, die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Eltern, die Presse ... Planungsphase: Entsprechende Gruppen werden gebildet. Je nach Informationsstand werden Informationen zu Gesetzen und zu Rollen bei den Institutionen erkundet, erarbeitet oder vorgegeben. Durchführung des Spiels: Schriftwechsel zwischen den beteiligten Gruppen. Alle Informationen gehen über die „Pressestelle“ (Lehrperson macht hier mit). Die Pressestelle sammelt die Korrespondenz, hilft - in der Rolle bleibend - bei Stockungen vorsichtig nach, beobachtet und kommentiert später den Verlauf. Auswertung: Wie habe ich mich in meiner Rolle gefühlt? Welche Schwierigkeiten hatte ich, hatten wir? Wie würde der Konflikt in der Realität gelöst? Wie könnte er fair durchgeführt werden und „gerecht“ ausgehen? (è Rath) Feed Back: Ich habe gelernt ... Ziele: 1. Einen Konflikt wahrnehmen. 2. Für unterschiedliche Interessen sensibel werden. 3. Einen Konflikt fair austragen. 4. Eigene und fremde Wertvorstellungen artikulieren. 5. Konstruktive Lösungen auf der Grundlage von rechtlichen Vorgaben suchen.
Sinn und Zweck meiner Arbeit in meinem Beruf TZI-Thema: „Meine Ziele bei meiner Tätigkeit in meinem Beruf - welche habe ich - welche möchte ich verändern - welche Schritte will ich dazu tun?“ Einstieg: Arbeitsblatt „Wozu arbeite ich?“
Arbeitsblatt 1: „Wozu arbeite ich?“
WOZU ARBEITE ICH ?
Im Folgenden sind einige Ziele und Zwecke angegeben, die wir mit unserer Arbeit verfolgen können. Lesen Sie bitte den Katalog in aller Ruhe durch und versuchen Sie sich klarzumachen, was gemeint ist.
ICH WILL IN MEINEM ERLERNTEN BERUF ARBEITEN ....
1. –um die Anerkennung anderer zu gewinnen. Ich möchte, daß sie meine Tüchtigkeit und meine Arbeitsergebnisse anerkennen. 2. – um die Bewunderung anderer zu erringen. Ich möchte, daß andere über meine Arbeit staunen und mich „toll“ finden. 3. – um auf mich stolz zu sein. Ich möchte sagen können: „ Das ist mein Werk. Das habe ich geschaffen.“ 4. – um mich selbst zu bestrafen. Ich sage innerlich zu mir: „Wenn ich hart genug arbeite und mich quäle, dann muß ich mich nicht schuldig fühlen. 5. – um den Kontakt mit anderen zu genießen. Ich komme dann von zu Hause weg und kann unter meinesgleichen sein. 6. – um einen bestimmten Lebensstandard zu erreichen. Mit dem Verdienst kann ich mir Dinge leisten, die mir wichtig sind. 7. – um mich berühmt zu machen. Ich möchte, daß man von mir noch lange spricht, weil ich eine wichtige Leistung vollbracht habe ( Erfindung, Entdeckung ). 8. – um zu überleben. Ich möchte durch meine Arbeit soviel verdienen, daß ich genug zu essen und ein Dach über dem Kopf habe. 9. – um „Gewinner“ zu sein. Ich möchte besser sein als andere und meine Konkurrenten überflügeln. 10. – um eine feste Ordnung in meinem Leben zu haben. Ohne einen festen Rahmen würde ich vergammeln und mich langweilen. 11. – um meine Neugier und meine Lust an der Abwechslung zu befriedigen Mir liegt es, neue Ideen und Projekte anzukurbeln. Sie können dann ruhig von anderen zu Ende geführt werden. 12. – um nicht auf trübe Gedanken zu kommen. Ohne Arbeit würde ich stumpfsinnig, deprimiert herumsitzen und nichts tun. 13. – um mich sicher zu fühlen. Ich fühle mich sicher, wenn andere mir Aufgaben geben und ich nicht voll verantwortlich bin. 14. – um Einfluß zu haben. Ich lasse mir nicht gerne was vorschreiben. Ich fühle mich wohl, wenn ich anderen zeigen kann, wo es lang geht. Ich führe gerne andere. 15. – um etwas Sinnvolles zu tun. Ich möchte, daß meine Arbeit etwas Sinnvolles für die Menschen hervorbringt. 16. – um mit meinen Gaben anderen zu dienen. Ich möchte die mir anvertrauten Kräfte verantwortlich einsetzen.
1. Kreuzen Sie die Punkte an, die mehr oder weniger auf Sie zutreffen. 2. Bringen Sie die angekreuzten Punkte in eine Reihenfolge.3. Welche der angekreuzten Einstellungen möchten Sie beibehalten, verstärken oder abschwächen oder aufgeben ?4. Gibt es innere Einstellungen in der Liste, die Sie gerne erlernen möchten ? Wie ist das möglich ? (nach Vopel 1981, S. 126ff).
TZI-Thema: „Ich zwischen Sinn, Geld, Gemeinschaft und Sicherheit - wo ist mein Ort im Viereck meiner Interessen - wo ist deiner - wir vergleichen uns miteinander. Wie will ich meine Balance finden - jetzt und später ...?“ Weg: Mein Wertefeld Ich trage in ein Dreieck oder Viereck meine Hauptziele oder -zwecke ein (z.B. Geld - sicherer Arbeitsplatz - gutes Betriebsklima - sinnvolle Arbeit). Ich bestimme meinen Ort in diesem Feld, indem ich ein Kreuz dort hinmale, wo ich mich befinde.
Geld SicherheitKlima Sinnvolle Arbeit zum Viereck hier anklicken Plenum: An der Tafel wird ein großes Wertefeld aufgezeichnet. Jede/r kann sich dort selbst einzeichnen. Es entsteht eine Werte-Landkarte dieser Gruppe. Zur Überlegung: Mit wem stimme ich überein? Wer ist mir fremd? Wer macht mich neugierig, ihn zu befragen ...? Ziele: 1. Unterschiedliche bzw. sich ausschließende Standpunkte und Ziele wahrnehmen. 2. Das „Dilemma“ von Wertekonflikten erkennen. 3. Einsicht gewinnen, daß es keine einfachen Lösungen gibt. 4. Die eigene Zielrichtung/Veränderungsrichtung wahrnehmen; Schritte dahin überlegen und sich vornehmen.
Meine Berufung
TZI-Thema: „Ich auf der Erde - wozu bin ich da - wozu fühle ich mich im Augenblick berufen - wie will ich meiner Aufgabe gerecht werden?“ Einstieg: Malen/Collage mit dem Thema: „Ich im Kosmos/auf der Erde“. Auswertung: 1. Gefühle, Probleme beim Malen 2. Je nach Vertrautheit Vorstellen der Bilder (s.o. Nr. 2) 3. Im Plenum Austausch über das TZI-Thema. Dabei ergibt sich oft das Thema: „Mein Ausbildungsberuf ist nicht der richtige für mich. Er hat keine Perspektive. Soll ich abbrechen und in einen anderen Beruf wechseln?“ Da ist meist fachkundige Beratung außerhalb des Unterrichts notwendig. Ziel: Einsicht: „Ich bin nicht allmächtig, ich bin nicht ohnmächtig“ (Cohn 1974, S. 121). Aber: Ich habe einen Entscheidungs- und Handlungsspielraum.
Moralische Dilemmasituationen
Um ins Gespräch über andere ethische Dimensionen des Berufsalltags zu kommen, eigenen sich Dilemma-Geschichten. Beispiel 1: Wolfgangs Freund Eberhard stiehlt einen wertvollen Diamantbohrer im Betrieb. Verdächtigt wird der Strafentlassene K. Soll Wolfgang seinen Freund verraten? (Mokrosch 1980, S. 124) Beispiel 2: Soll ein Betriebsratsmitglied Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse auch dann verschweigen, wenn sein Schweigen den Kollegen, die ihn gewählt haben, sehr schadet, z.B. bei Entlassungen? (Lempert 1988, S. 13). Beispiel 3: Der kirchentreue Unternehmer und Presbyter H. will Sonntagsarbeit einführen, um seine Maschinen besser auszulasten. Er würde sonst in Konkurs gehen, 50 Leute wären arbeitslos. Seine Frau sagt: „Du lebst nur für den Beruf. Deine 3jährige Tochter und mich vernachlässigst du. Als Christ ...“ (è Robra/Süß) Weg: Rollenspiele. (è Rath)
Arbeitsblatt 2: „Sonntagsarbeit bei CompuCad?“
Sonntagsarbeit bei CompuCAD?
Hans Quick, 30, ein dynamischer Unternehmer hat einen modernen Computerbetrieb „Compu-CAD" für CAD-Anwendungen. Er hat 30 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die er bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit - z.B. mit gut bezahlten Überstunden - beschäftigt. 6 Auszubildende erhalten bei ihm eine gute Ausbildung. Die Branche boomt. Er möchte seine millionenschwere Hard- und Software noch besser ausnutzen. Wochenend- und Sonntagsarbeit wäre eine kostengünstige Lösung.
Als aktives Mitglied im Presbyterium seiner Kirchengemeinde - er ist über die Friedens- und Ökologiebewegung dazugestoßen - hat er die Diskussionen um die Sonntagsarbeit in seiner Kirche verfolgt. Er ist keineswegs engstirnig „fromm", sieht aber im sonntäglichen Gottesdienst und in der Jugendarbeit der Gemeinde eine wichtige Ergänzung zu seinem harten Job als Unternehmer. Es gibt mehr im Leben als Geld und Arbeit: Frieden und Umwelt zu bewahren und soziale Gerechtigkeit für die ganze Menschheit. Vor seinem Antrag auf Genehmigung von Sonntagsarbeit beim Gewerbeaufsichtsamt will er diesen Plan mit seinen Beschäftigten, dem Betriebsrat und der Jugendvertretung besprechen. Als moderner Unternehmer will er ohne deren Zustimmung nicht entscheiden.
Vor dieser Entscheidung berät er sich mit seiner Frau.
Seine Frau, Ina, 28, ist nur halbtags mit im Betrieb beschäftigt, weil sie nachmittags und abends für die beiden Kinder, Michael, 4, und Sonja, l, Zeit haben will. In letzter Zeit merkt sie, daß ihre Ehe nur noch auf dem Papier besteht: Am Wochenende hat Ihr Mann immer noch Arbeit mit zu Hause: Kalkulationen, Planungen, Steuerprobleme, Gehaltsfragen, Kreditanträge an die Banken ... In der Woche arbeitet er bis spät in die Nacht. Er sagt immer wieder: „Bald sind wir aus dem Gröbsten raus, dann machen wir es uns schön. Dann haben wir Zeit für uns ..." Hans, 35,
Betriebsratsvorsitzender, aktiver Gewerkschafter, steht hinter seiner Gewerkschaft (IGM), die Sonntagsarbeit aus Arbeitnehmerinteressen ablehnt.
Andreas, 23,
Elektrotechn. Assistent, ledig und unternehmungslustig, genießt sein Wochenende sehr: Freitagabend Disko, Samstag ausschlafen und abends wieder auf der Rolle, Sonntags ausschlafen und dann mal ausspannen - das möchte er nicht aufgeben nur für ein paar Kröten mehr.
Boris, 43,
Kommunikationselektroniker, zum Programmierer umgeschult, hat nach seiner Scheidung von seiner Frau finanzielle Sorgen: das Haus ist noch nicht abbezahlt, Frau und Kinder haben Anrecht auf einen erheblichen Teil seines Verdienstes. Auch er ist aktiver Gewerkschafter.
Mohammed, 28,
Elektriker, hat als überzeugter Moslem Verständnis dafür, daß religiöse Vorschriften eingehalten werden. Die Feiertagsruhe ist ihm heilig. Er versteht die Christen nicht, die anders denken.Petra, 27,
alleinerziehende Mutter von zwei Kindern - 3 und 9 Jahre alt - ist als Buchhalterin beschäftigt. Sie muß ihre beiden Kinder allein ernähren, weil ihr Mann sich aus dem Staube gemacht hat. Sie arbeitet gerne in ihrem Beruf, hat aber ein schlechtes Gewissen, weil sie zu wenig Zeit für ihre Kinder hat.
Chefprogrammierer Eduard, 35,
ledig, lebt ganz für seinen Beruf, er kann sich ein Leben ohne Computer gar nicht vorstellen. Er hat kein Privatleben. Die Lösung schwieriger Programmieraufgaben fordert ihn heraus: Ich will es schaffen. So arbeitet er zu Hause noch an seinem Computer an Problemen aus der Firma.
Sascha, 17,
Azubi und Jugendvertreter hat es gut, er kann seine Jugendlichen beruhigen: Für Auszubildende ist Sonntagsarbeit in jedem Fall verboten. Aber er hat auch seine Meinung dazu. Er will vielleicht in der Firma weiterarbeiten. Außerdem ist seine feste Freundin als Verkäuferin tätig und sonntags ...
Suchen Sie sich eine Rolle aus, die Sie sich näher ansehen wollen. Überlegen Sie sich Argumente, die Sie in die Diskussion einbringen könnten.
Sicherung des Existenzminimums und „gerechter“ Lohn
Lernweg: Die „Arbeiter im Weinberg“ (Mt 20) als Gerichtsverhandlung: Einer der „Ersten“ klagt vor dem Arbeitsgericht wegen ungleicher Behandlung. Prozeßparteien: die Anwälte der „Letzten“, der Arbeitgeber und der Kläger. (è Autschbach: Gleichnisse) Ziele: 1. Den Wertekonflikt zwischen formaler Gerechtigkeit und sozialer Gerechtigkeit erfahren (Schutz des Schwachen). 2. Einsicht gewinnen in die Notwendigkeit der Sicherung durch soziale Netze. 3. Die Problematik „gerechter Lohn“ durcharbeiten.
Meine Zukunft im Beruf
TZI-Thema: „Meine Zukunftsvorstellungen, meine Ideale und meine Träume vom Beruf - welche habe ich - wie will ich sie mit der Wirklichkeit in Einklang bringen - was bringen sie mir für mein persönliches Wachstum?“ Vorbereitung: Malen: Ich in 10 Jahren in einem Beruf Auswertung: 1. Wie habe ich mich beim Malen gefühlt? 2. Die Bilder werden im Plenum - freiwillig - vorgestellt. 3. Versuch der Einordnung in die drei Rubriken: Das ist erreichbar (Realität). Das ist ein Traum, aber wohl kaum erreichbar (Traum). Das wäre erstrebenswert, könnte ich mit Anstrengung erreichen (Ideal).
Schaubild 10: TZI-“Globe“: Meine Zukunft im Beruf
Fortsetzung mit TZI-Thema: „Meine Lebensplanung: Beruf, Familie, Freunde, Eintreten für andere und Selbstentfaltung - wie will ich das zusammenbringen in meinem Leben - um mich wohl zu fühlen?“ Ziele: 1. Zwischen Realität, Traum und Ideal unterscheiden. 2. Eigene Schritte zur Lebensplanung überlegen.
Die zukünftige Verteilung der knapper werdenden Arbeit
Lernweg: Expertendiskussion. 1. Rollen: Arbeitgeber (Kleinbetrieb), Großaktionär, Gewerkschafter, Auszubildender, alleinerziehende Mutter, Vertreter einer Kirche, Politiker (unterschiedlicher Richtung) 2. Die Gruppen informieren sich über Modelle (z.B. Verkürzung der Wochenarbeitszeit, der Lebensarbeitszeit, gleitendes Ausscheiden der Alten, Sabbatjahr, zweiter Arbeitsmarkt, Aufwerten der Nichterwerbstätigkeit, Grundlohnmodell) und entscheiden sich für eins oder mehrere, die ihrer Interessenlage entsprechen. 3. Expertendiskussion zum Thema: Weniger Arbeit - was nun? 4. Auswertung: 1. Wie habe ich mich in der Rolle gefühlt? 2. Wie kamen die Argumente unserer Gruppe an? 3. Worin sehe ich Ergebnisse der Diskussion? Ziele (z.T. erst durch weitere vertiefende Arbeit zu erreichen): 1. Informationen erarbeiten und aufnehmen. Vor- und Nachteile jedes Modells für einzelne/Gesamtgesellschaft/Arbeitsanbieter genau definieren. 2. Interessen hinter den Positionen erfassen. 3. Ethische Begründung von Interessen analysieren. 4. Eigenen Standpunkt definieren. 5. Verfahren zum Interessenausgleich reflektieren. 6. Eine Zukunftsprognose wagen.
Literatur
Baethge, Martin: Der Stellenwert von Arbeit in den Lebenskonzepten Jugendlicher. In: Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hg.): Jugend und Erziehung am Ende der Achtziger Jahre. Soest 1988, S. 69-75. Cohn, Ruth C.: Zur Grundlage des themenzentrierten interaktionellen Systems: Axiome, Postulate, Hilfsregeln (1974). In: Cohn, Ruth C.: Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion. Stuttgart 1975, S. 120-133. Cohn, Ruth C.: Zur Humanisierung der Schulen: Vom Rivalitätsprinzip zum Kooperationsmodell mit Hilfe der themenzentrierten Interaktion (TZI), (1973). In: Cohn, Ruth C.: Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion. Stuttgart 1975, S. 152-175. Feiks, Brigitte: Humanisierung der industriellen Arbeitswelt: Als Anfrage an die theologische Sozialethik und Praktische Theologie und ihre Konkretion für den Religionsunterricht an der Berufsschule. Essen 1987. Grösch, Dieter: Biografie und Lebenskonzept: Widersprüche und Brüche im Prozess der Identitätsfindung junger Berufstätiger. Gudensberg-Gleichen 1987. Hoff, Ernst: Arbeit, Freizeit und Persönlichkeit. Wissenschaftliche Modelle und subjektive Theorien. Bern 1986. Kryszon, Sabine: Arbeitsansprüche der individualisierten Jugendgeneration. Berlin 1991. Lempert, Wolfgang: Moralisches Denken: seine Entwicklung jenseits der Kindheit und seine Beeinflußbarkeit in der Sekundarstufe II. Essen 1988. Mokrosch, Reinhold/Stoodt, Dieter: Elemente und Medien zur Friedens- und Konflikterziehung im Religionsunterricht. In: Mokrosch, Reinhold/Schmidt, Hans P./Stoodt, Dieter: Ethik und religiöse Erziehung. Stuttgart 1980, S. 101-212. Richtlinien Evangelische Religionslehre für die Berufsschule, Landesinstitut NW, Soest, 29.10.1993 (Entwurf). Schulz, Wolfgang: Unterrichtsplanung. München 1981. Stollberg, Dietrich: Lernen, weil es Freude macht. München 1982. Tismer, Karl G.: Konstanz und Veränderung in der Einstellung von Berufsschülern zur Arbeit. In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik 87 (1991), H. 5, S. 388-398. Vopel, Klaus W.: Interaktionsspiele für Jugendliche, Teil 1. Hamburg 1981.
Dietrich Horstmann
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Dietrich Horstmann Kirche und Handwerk
Der folgende Beitrag kann keine umfassende Analyse des Verhältnisses von Kirche und Handwerk sein; es fehlt nämlich, ,trotz vieler Einzeluntersuchungen zum Handwerk und zur Gesellschaftspolitik der Kirchen, an zusammenfassenden Darstellungen; über beide Bereiche und erst recht über das Verhältnis beider zueinander. Im ersten Teil soll die Lage des Handwerks in ihren ökonomischen, ideologischen und parteipolitischen Aspekten skizziert werden. Der zweite Teil gibt zunächst einen überblick über die »Arbeit an Handwerkern« in der evangelischen Kirche und im Kolpingwerk. Einige kritische Fragen zur Konzeption der bisherigen und geplanten Kooperation zwischen Evangelischer Kirche und Handwerk schließen sich an. Dabei muß vieles noch hypothetisch und pauschal bleiben. Konkret möchte der Beitrag Anstöße geben, die begonnene Kooperation kritischer zu analysieren, vor allem aber die Forderung nach einem längst fälligen neuen Gesamtkonzept für die kirchliche Gesellschaftsdiakonie und -politik auch von diesem kleinen Bereich aus erneut stellen. Er geht von einer Position aus, die die Interessen der Arbeitnehmer und Lehrlinge (Auszubildende) stärker berücksichtigt sehen möchte.
Definition des Handwerks Ein Konsensus der Wissenschaft über die Definition' des Begriffs Handwerk1 (ökonomisch, juristisch, soziologisch) besteht nicht.
-Es mag Zufall sein oder nicht, fest steht, daß ein verbreiteter Optimismus über die Lebenschancen des Handwerks einhergegangen ist mit der Abkehr von einer klaren wissenschaftlichen Definition des Handwerks und mit der Etablierung mächtiger handwerklicher Berufsorganisationen, deren interessenpolitisches legitimes Ziel darin besteht, den Sektor >Handwerk< innerhalb der Wirtschaft so groß wie möglich erscheinen zu lassen.«2
Handwerk ist also eine politische Größe. Es ist ihm gelungen, seinen Umfang monopolartig selbst zu bestimmen, obwohl die
Zwangsinnungen 1953 aufgehoben wurden. überspitzt for
muliert: Wer in die Handwerksrolle eingetragen wird, gehört zum Handwerk, auch in den amtlichen Statistiken.3 So zählen heute zum Handwerk die traditionellen Zweige wie Bäcker, Schneider und Friseure, aber auch die neue ren Zweige wie Kraftfahrzeugreparatur und das Bau-und Ausbaugewerbe. Handwerk umfaßt also derart disparate Sektoren wie Güterund Warenproduktion, Reparatur und Dienstleistung (Handel). Die Handwerksinnungen, die Kreishandwerkerschaften und die 45 Handwerkskammern haben heute den Status als Körperschaften öffentlichen Rechts und genießen Privilegien in der Berufsausbildung und auf ökonomischem Gebiet (Subventionen). Verbands politisch wird »das Handwerk« durch den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) vertreten. Durch eine satzungsmäßig festgelegte personelle Identität in den Präsidien und Vorständen, eine gemeinsame Geschäftsstelle und gemeinsame "Offentlichkeitsarbeit«4 sind die Bundesvereinigung der Fachverbände des deutschen Handwerks (BFH) und der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT), beide zu diesem Zweck privatrechtliche Vereine, mit dem ZDH gleichgeschaltet. Diese Form des Zusammenschlusses ermöglicht einerseits das volle Ausnutzen der Privilegien der öffentlichrechtlichen Körperschaft bei den Handwerkskammern, andererseits können von Landesebene ab die vereinigten Kammerund Fachverbände diese Privilegien für die partikularen Arbeitgeberinteressen im Handwerk bis hin zur Finanzierung des ZDH ausschöpfen. Diese.rechtliche und organisatorische Kostruktion wird denn auch mit Recht im "Reuß-Gutachten« -einer Auftragsarbeit des DGB als illegitim und undemokratisch bezeichnet.5 Dies zu ändern ist wohl mehr eine politische Kampfaufgabe denn ein Streit mit Rechtsgutachten beider Seiten.6
Die ökonomische Lage
Die ökonomische Lage7 der einzelnen Branchen und Betriebe ist sehr unterschiedlich. "Seit 1950 nahm die Zahl der Betriebe kontinuierlich ab, bis 1967 um 27 Prozent.,,6 Im Jahr
15 6 1970 betrug die Zahl der Betriebe nur noch 604400, das ist ein Rückgang von 33,1 Prozent gegenüber 1949 (9°2800 Betriebe)9. 1971 existierten sogar nur noch 568 500 Betriebe.10 Dieser in den einzelnen Branchen un terschiedliche Strukturwandel betrifft vor allem die Kleinbetrieb:. So nahmen die Betriebe mit 1 bis 9 Beschäftigten von 1956 biS 196) um 15,1 Prozent ab, während im gleichen Zeitraum die mit über 50 Beschäftigten um 26,4 Prozent wuchsen.t1 Trotzdem sind die Kleinbetriebe immer noch in der Mehrzahl. Ihr Umsatz und ihre Gewinne sind so gering, daß die Hälfte der Handwerker gerade ausreichend verdienen, um einen »standesgemäßen Lebensunterhalt" zu erzielen.12 Viele Betri~be können n~r existieren, weil Familienangehörige und L~hrlwge (Au~zubIidende) voll mitarbeiten. überdies steigt die Zahl der mcht handwerklich ausgebildeten Arbeitnehmer ständig; Schätzungen vermuten bis zu 40% der Arbeitnehmer im Handwerk; es handelt sich in der Mehrzahl um Hilfsarbeiter (deutsche und ausländische), Man kann also von einer wachsenden ,.Proletarisierung« weiter Teile des Handwerks sprechen. Diese hier nur angedeuteten Strukturprobleme werden durch die günstigen Prognosen für das gesamte Handwerk13 nur ~üh.sa,m verdec~t, Der steigende Umsatz überproportional m eWIgen wemgen Branchen -und die leicht ansteigende Zahl der Beschäftigten von heute ca. -h2 Millionen reichen für optimistische Erwartungen nicht aus. Auch der in letzter Zeit immer wieder ins Feld geführte Vorteil der Klein-und Mittelbetriebe bei technischen Innovationen findet seine Grenze an der, mangelnde~ ~apital~usstattung zur Ausbeutung dieser Er!mdun.gen" DIe md~stnelle Gesellschaft im heutigen Kapitalismus l~t emem r~plden Konzentrationsprozeß14 von Kapital, Arbe.It ,u,nd WIssen un~erworfen, dem sich nur wenige hochspezlallSlerte und, kapl talstarke Unternehmen werden entziehen können, Nur wenn sich das Handwerk dem Trend z.u größeren Betriebseinheiten anpaßt, rationalisiert, kooperIert und die Spielräume nutzt, die die Großindustrie, das Großkapital und die staatliche Wirtschaftspolitik ihm lassen wird es -allerdings radikal gewandelt »überleben",15 Den~ di~ vox: allen Seiten empfohlene »Anpassung« ist nur möglich bel steigenden Abhängigkeiten von den »Großen«, wie z. B.
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»die zunehmende Zahl der Vor-und Zulieferfirmen zeigt.«16 »Allein Siemens-Schuckert, die AEG, Fried. Krupp, Mannesmann, Opel und Daimler-Benz arbeiten insgesamt mit 120000 bis 130000 Zulieferfirmen zusammen.« 17 Ob die Handwerksbetriebe unter ihnen ihre stolze Selbständigkeit als "Partner der Industrie« werden bewahren können, ist fraglich. Eher wird gelten: »Je geringer die Autonomie, umso leichter die Partnerschaft zur Industrie.« 18 »Partnerschaft« bedeutet hierbei eine Verschleierung für »quasifeudale« Abhängigkeit. Von einem Gegengewicht zur Großindustrie kann man also kaum sprechen.19 So bedeutet »Anpassung« eine Entwicklung zum profitorientierten Betrieb mit »kapitalistischen« Produktionsbedingungen bei steigender Abhängigkeit von den »Großen«. Von Ausnahmen abgesehen führt also die Anpassungsstrategie (ähnlich wie in der Landwirtschaft und beim Einzelhandel) zum Untergang des selbständigen Handwerks als eigenständiger Größe, selbst wenn alternative Unternehmensmodelle entwikkelt werden.
Pufferfunktion zwischen Kapital und Arbeit
Für den einzelnen Unternehmer bedeuten diese ökonomischen Fakten die Nötigung zum Abschied vom vorindustriellen Wirtschaften und vor allem von den entsprechenden Kulturmustern: Wertvorstellungen, Glaubensnormen, Sitten, Gewohnheiten und Rechtsvorstellungen, Denn bisher gilt noch weithin: »Sie [ die Handwerker] streben nicht nach Maximierung ihres Einkommens, sondern nach einem standesgemäßen Einkommen, sie bekennen sich nicht zum Wettbewerb, sondern zur Zusammenarbeit, sie wollen keinen leistungsfähigen Betrieb realisieren, statt dessen einen bedächtigen Arbeitsstil pflegen, sie bekennen sich nicht zum technischen Fortschritt, sondern zur Tradition«,20 Dies trifft natürlich nur für die Masse der Kleinunternehmer zu. Diejenigen, die sich von diesen vorindustriellen Mustern getrennt haben, geraten zunehmend in Konflikte mit ihren Interessenorganisationen auf den unteren Ebenen der Innungen und Kreishandwerkerschaften, weniger der Fachverbände. Es handelt sich hierbei meist um Unternehmer, die eine überdurchschnittliche Bildung haben
15 8 6 ~nd einen Umsatz erzielen, der ihnen Investitionen ermöghcht (nach Sack).21 Auf der Ebene der Spitzenverbände, des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH), des Deutschen Handwerkskammert'll.gs und der Bundesvereinigung der Zentralfachverbände, versucht man, diese »moderne Mentalität« zu stützen; dabei muß aber ständig auf die »Kleinen« Rücksicht genommen werden. Da freilich die neue Wirtschaftsmentatität mit einer konservativ-romantischen Mittelstandsideotogie ;erbunden. bleibt, geli,ngt die »Anpassung« kaum. Der Verzicht auf diese Ideologie, verstanden als eine umfassende Gesellschaftstheorie zur Durchsetzung partikularer Interessen, würde dem Handwerk ein wesentliches Kamp~mittel rauben. Die Elemente dieser Ideologie sind oft besc~neben wor.den: Pufferfunktion zwischen Kapital und Arbeit, Verherrhchung des Kleinbetriebes, Patriarchalismus, Kulturpessimismus, antitechnischer Affekt, Antiintellektualismus, Antikommunismus, Gewerkschaftsfeindlichkeit, das Ideal einer konfliktfreien Volksgemeinschaft. Hinzu kommen für das Handwerk das Streben nach Selbstverwaltung und die Wunsc~1Vorstellung einer Zunftwirtschaft, neuerdings verbunden mIt der Selbständigenideologie, kurz: eine berufsständi
sche Gemeinschaftsideologie. 22 Vor allem auf dem Sektor der Berufsausbildung legitimiert das I;Iandw.erk sei~e .Position mit dieser Ideologie. Handwerkliche BIldung Ist Immer noch primär »Erziehung«, »Arbei~samkeit, Fleiß, Tüchtigkeit, Ehrlichkeit, Disziplin, allgememes Verhalten nach bürgerlichen Tugenden«23 sind die an vori~dustriell~n Leitbildern, orientierten Ziele dieser patriarchalIschen Melsterlehre.24 Bislang sicherte sich das Handwerk seinen Nachwuchs häufig dadurch, daß es diese z. T. autoritär~n Erziehun~s~iele ~u allgemeinen »Tugenden« erhob. Daß Sie a~achromst1sch smd, zeigt sich auch im Rückgang der Lehrhngszahlen in jüngster Zeit. Auch in neuesten Veröffentlichungen verzichten Vertreter des Handw~rks k~ineswefs au~ diese ,»Dogmen«. Die Erhaltung von Klel.nbetnebe~ Wird, mit »s?zlalen« Argumenten begründet: »DIese ~etnebe btlden eIne gute Grundlage für den sozialen Aufstieg aus den unteren Schichten und sind damit e~n Element .z;r~ Erhalt~ng des sozialen Friedens und der politischen Stabih tat«. 25 Die Gründe für das Festhalten an dieser I59 »staatserhaltenden« Mittelstandsideologie liegen I auf der Hand: Da dem Handwerk ökonomische Machtmittel und große Mitgliederzahlen feh~en, blei~t. ihm nichts anderes übrig, als »die Bedeutung emer tradltlOnsbewußten Gruppe für die Ordnung innerhalb des Staates«26 herauszustellen und von daher den "Anspruch auf staatlichen Schutz« abzuleiten. Konkreter: Auch in Zeiten ökonomischer Sicherheit muß sich das Handwerk gegenüber den Interessen der Konzerne. und der Lohnabhängigen, neuerdings auch gegenüber den steigenden Wohlfahrts-und Sozialansprüchen, ständig behaupten. Daß die Pufferfunktion bloße Fiktion ist, zeigt sich in Krisen und bei zunehmender Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem, z. B. in der heutigen Situation: F~ktisch nimmt das Handwerk für »die Unternehmer« gegen die Gewerkschaften und andere gesellschaftliche Interessen (z. B. d!e Forderung nach verbesserter Lebensqualität) Stellung. »Em Festhalten an dieser Fiktion in der Klassengesellschaft des 2.0. Jahrhunderts [kann] nur gegenrevolution ären Charakter«27 haben.
Politische Orientierung
Politisch orientiert sich das Handwerk an konservativen und autoritären Leitbildern und tendiert zu Parteien der »rechten Mitte« oder, in Krisen, gar nach »rechts«. Dies läßt sich historisch nachweisen.l8 Ob das Handwerk allerdings "in Zeiten ständisch orientierter und zugleich autoritärer Staatsführung«29 größere Erfolge hatte als in ~eiten mit demokratischer Regierungsform, darf wohl bezweifelt werden. So konnten die Handwerksverbände im »Dritten Reich« zwar ih~e Standesinteressen durchsetzen: großer BefähigungsnachweiS, eigenständiges Prüfungswe~en mit ?etriebli~he~ Ausbil.dung, Pflichtinnungen u. a. Fakttsch scheiterten sie okonomls~h wie schon in der Kaiserzeit -an der Macht des Großkapitals, besonders der Rüstungsindustrie, und an den mit i~nen v:rbündeten Parteien. Der späte Widerstand gegen die restriktive Kriegswirtschaft der Nazis vermitt~lte ~em Ha~~,,:erk die Illusion einer opposi tionellen Kraft, die es Ihm ermogbchte, nach 1945 die alte Standesordnung fast ungebrochen zu übernehmen. »Die Wiedererrichtung der alten Statusordnung des Mittelstandes ist
r60 ein bedeutsamer Aspekt der allgemeinen Restauration konservativer Wertvorstellungen und Institutionen in der Bundesrepublik. Die großen Wirtschaftsgewinne der letzten zwanzig Jahre sind auch dem alten Mittelstand zugute gekommen. Doch hat dieser wirtschaftliche Wohlstand an der konservativen Einstellung der Mittelständischen nichts Wesentliches geändert. Was ihre politische Einstellung betrifft, schätzte diese Mehrheit die autoritären Züge der Kanzlerdemokratie und stimmte deshalb für die Adenauerpartei.«30
Nur wenn man der autoritären Demokratie nach 1945 ihren demokratischen Charakter abspricht, kann man also von größeren Erfolgen in früheren Zeiten sprechen. Allgemein war der wirtschaftliche Erfolg des Handwerks immer dann größer, wenn die herrschenden Wirtschaftsmächte im Bündnis mit der jeweiligen politischen Macht eine Stützung ihrer Herrschaft benötigten. Die bewußte Integration des Mittelstandes zur Stabilisierung der Macht gehörte aber zu den tragenden Elementen der CDU/CSU-regierten Demokratie nach 1945 und sicherte dem Handwerk den wirtschaftlichen Erfolg. Bis heute sieht das Handwerk deshalb in den Mittelstandsgruppen der CDU/CSU, dem Diskussionskreis Mittelstand und der Mittelstandsvereinigung seine wichtigsten Verbündeten. Obwohl die SPD mit dem Godesberger Programm von ihrer traditionellen Bindung an die Arbeitnehmerschaft abgerückt ist und die marxistischen Untergangsprognosen31 für den alten Mittelstand (Erfurt r89r) der Vergangenheit angehören, bleibt in Kreisen des Handwerks eine deutliche Reserve gegenüber der SPD bestehen. Vor allem die alte Befürchtung, daß Großindustrie und Gewerkschaften sich auf Kosten des Mittelstandes einigen könnten, führt zu einer distanzierten Beurteilung der »Konzertierten Aktion« und zu einer relativ scharfen Ablehnung des CDU-Vorschlags zur Bildung eines Wirtschafts-und Sozialrates.32 Ob es der »Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständige in der SPD .. sowohl innerparteilich wie bei den Handwerkern gelingt, alte Ressentiments abzubauen, kann hier nicht untersucht werden. Die in der Großen Koalition sichtbar gewordenen übereinstimmungen in der Wirtschaftspolitik (soziale Marktwirtschaft), namentlich in bezug auf den Mittelstand, könnten jedoch ein Arrangement zwischen Handwerk und SPD möglich machen. In den Jahresberichten des Handwerks betont man zwar die grundsätzliche 161 162
übereinstimmung mit den Reformprogrammen der Regierung; aber gleichzeitig wird in allen wesentlichen Einzelhe!ten die Politik der SPD/FDP-Koalition überwiegend mit Argumenten aus der CDU/CSU kritisiert.33 So muß es wohl bei der oben ausgesprochenen Behauptung bleiben, daß das Handwerk, jedenfalls in den Spitzen der Verbände, zur CDU/CSU-Mittelstandsgruppe tendiert. Nach Angaben des Geschäftsführers des Diskussionskreises Mittelstand, Dr. Spary, gehört 1972 2 von 45 Kammerpräsidenten (Aachen und Hamburg) der SPD an, während de,r Res! der CDU/CSU nahesteht oder ihr angehört. Da der DiskusslOnskreis Mittelstand die zahlenmäßig stärkste Interessengruppe in ihrer Fraktion darstellt und außerdem ein Drittel aller CDU-Mitglieder Selbständige sind (100000 von etwa 300000)34, scheint das Handwerk gut daran zu tun, hier seine Interessen vertreten zu lassen, Demgegenüber sei hier die Hypothese gewagt, daß in entscheidenden Fragen der ~irtschaftsrat oder die Fraktionsspitze gegenüber den MIttelständlern in der CDU/CSU den Ausschlag gibt. 35 Die Strategie ist wohl die: Durch partielle Stützung des Mittelstande~, vor allem auf ideologischem Gebiet, weniger auf ökonomIschem, soll der Großindustrie und dem Großkapital der größte Anteil gesichert bleiben. Der Mittelstand, interessanterweise um die großunternehmerfreundlichen »Leitenden Angestellten« erweitert, soll durch Subventionen und andere Hilfen so weit befriedet werden, daß das latent »revolutionäre« Potential nie so groß wird, daß es zu politischen Krisen kommt. Dieses Gleichgewicht erweist sich jedoch keineswegs mehr als stabil. Der in letzter Zeit verstärkte Einfluß der Großindustrie im politischen Bereich könnte also das Handwerk, besonders die große Zahl der Kleinstunternehmer, in die Arme antidemokratischer Parteien treiben. Wie schon angedeutet, ist die konservative Mittelstandside?logie als einer der wesentlichen Stützen des Handwerks tn Wirtschaftskrisen tendenziell rechtsgerichtet bis Jaschistoid.36 So hatte die NPD in der Konjunkturkrise 1966167, ähnlich wie die Rechtsparteien in der Weimarer Zeit und schließlich die NSDAP, ihren Erfolg überwiegend dem selbständigen Mittelstand (Handwerker, Einzelhändler, Bauern) zu verdanken. Er war in der Mitglieder-wie in der Wählerschaft der NPD eindeutig überrepräsentiert.37 Die geschichtlichen Erfahrungen sind also vergessen. Da das Bündnis mit der CDU/CSU langfristig auf der Illusion der Stützung durch die »Großen« beruht, liegt m. E. eine politische Umorientierung eher im Interesse des Handwerks (und der Gesellschaft, die auf die Dienstleistungen des Handwerks angewiesen ist). Die Chancen für eine solche Umorientierung sind allerdings äußerst gering.
Zur Zusammenarbeit der Kirche mit dem Handwerk38
.A~f diesem ökonomischen, ideologischen und politischen H~ntergrund soll in erster Linie die Rolle der Evangelischen KIrche untersucht werden. Dabei sind zwei Ebenen zu untersche~d~n, die der Ve:eine und Verbände sowie die der SpitzenvereInIgungen. Faktisch besteht zwar eine Verzahnung beider Ebenen auf kirchlicher Seite; dennoch zeigen sich einige charakteristische Unterschiede, ähnlich wie beim Handwerk. Als Basis dienen Selbstdarstellungen, ohne daß ein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden kann. Die Rolle der Katholischen Kirche, ihre Verflechtung mit der CDU/CSU und die Unterschiede zur Handwerkerarbeit der evangelischen Kirche können leider nur am Rande erwähnt werden. Die politische Konzeption der katholischen Kirche soll an einigen wenigen Beispielen aus dem Bereich des Kolpingwerkes dargestellt werden. Die vorhandenen Unterschiede zur evangelischen Kirche sind im ideologischen Bereich nur gering. Die Mittelstandsideologie ist in der katholischen Kirche grundsätzlicher gefaßt, da sie eine wesentliche Stütze des Subsidiaritätsprinzips und der Privateigentumsideologie ist. Der Mittelstand ist deshalb in der katholischen Kirche häufiger Gegenstand theoretischer und praktischer Arbeit. Noch prinzipieller gefaßt und in einem größeren ~rga~isatorisc.hen Rahmen gesehen, kann die Analyse auch fur die katholIsche Gesellschaftslehre und -politik gelten.
Die Evangelische Handwerkerbewegung
Der »Verba~d Evangelischer Handwerker im Bundesgebiet e. V.« und die »Handwerkerbewegung der Männerarbeit der 163 164
Evangelischen Kirche in Deutschland« ~seit 1952: Sitz Offe,nbach/Main) sind seit 1962 in der »AktlOnsgememschaft Kuche und Handwerk« mit einem gemeinsamen Presse organ Handwerker und Kirche39 zusammengeschlosssen, Sie versuchen, die Tradition der »Evangelischen Gesellen-und Meistervereine«40 fortzuführen. Allein die Tatsache, daß die Handwerkerbewegung berufsständisch ausgerichtet ist, ohne eine direkte institutionelle Verklammerung mit den Arbeitnehmervereinigungen in der evangelischen Kirche, noch viel weniger mit den Gewerkschaften, zeigt die anachronistische Verengung dieser Arbeit. Die Präambel der Männerarbeit orientiert sich dementsprechend an den Interessen der Handwerksverbände : »Sie setzt die berufsständischen Einrichtungen als notwendig und gegeben voraus und fördert eine fruchtbare Zusammenarbeit mit diesen Institutionen.«41 Allerdings handelt es sich gegenüber früher um kleine Gruppen. So umfaßt der Verband einige ,vereine, in H.ess~n und Westfalen liegt der Schwerpunkt, mit ca. 3000 Mltghedern. Diese Vereine leben ähnlich wie die Handwerkerbewegung der Männer [ ! ] arbei t der EKD von einem leicht modernisierten, romantischen Gemeinschaftsideal. Ziel der Männerarbeit ist immer noch -, »die Reste des Standes-und Klassenbewußtseins [in der Arbeiterschaft und im Handwerk] durch ein neu es Gemeinschaftsbewußtsein zu ersetzen.«42 Das Konzept der Zwanziger Jahre von einer konflik:t"reien »Vol~.sg:meinschaft« wird mit Appellen gegen die »Entpersonhchung«, Vermassung, für das »sittlich Anständige im Wirtschaftsleben«43 verbunden. Das Handwerk wird als moralisch höherstehend bewertet: »Handwerk und Handel stehen menschlich stellvertretend für die ganze Wirtschaft.« Von ihnen hängt »das Vertrauen zur Gesamtgesellschaft, zum Staat als der verfaßten Gesellschaft und zur modernen welt überhaupt«44 mit ab. Das Ideal des personalen Wirtsc~aftens wird gegen das bloß Technische gesetzt und das pa~n~rchalische Meister-Gesellen-Lehrlings-Verhältnis zum Leitbild erhoben. Dieser anti technische, kulturpessimistische und antidemokratische Affekt durchzieht die Veröffentlichungen beider Vereinigungen. 45 Hier zeigt sich die Mittelstandsideologie in Reinkultur, Der »Jargon der Eigentlichkeit« (Adorno) in den Veröffentlichungen ist nicht bloß ein sprachliches Defi zit; er deckt auch den Realitätsverlust dieses Zweiges kirchlicher Arbeit auf. Natürlich fehlen die Aufrufe zur »Mobilität« und zur »Anpassung« nicht. Trotzdem mangelt es der Handwerkerarbeit an Entschlossenheit, die ökonomische Situation realistisch zu analysieren, wie das etwa die Denkschrift Die Neuordnung der Landwirtschafr46 bekundet. Die Ansätze zu einer Offnung für »modernere« Fragestellungen besonders bei der »Männerarbeit« seien nicht verschwiegen; doch wird die Analyse zeigen, daß nur ein langsamer Anpassungsprozeß in den Führungsgremien zu erwarten ist. Ihm werden schon dadurch Grenzen gesetzt sein, daß die Mehrheit der führenden Männer in der »Bewegung« zur CDU/CSU tendieren.47 Dies wird durch die unten aufgewiesenen gesellschaftspolitischen Positionen bestätigt. Ganz allgemein gilt zudem, daß "Protestanten mit starker kirchlicher Bindung« eher zur CDU neigen.48 Tendenziell müßte die evangelische Handwerkerschaft auch zur NPD neigen; dennoch ist bei Kirchentreuen im Unterschied zu den nichtkirchentreuen Protestanten der MitteIschichten die CDU-Bindung relativ stark.49
Der Deutsche Zentralverband des Kolpingwerkes
Der Deutsche Zentralverband des Kolpingwerkes baut sein »gesellschaftspolitisches Leitbild" vom 7.Juni I96950 konsequent nach dem Subsidiaritätsprinzip auf. Entsprechend diesem Gesellschaftsbild ist das Kolpingwerk an der Basis in »Familien« gegliedert. Hier zeigt sich also ein ähnlicher Ansatz mit einer familialen Gemeinschaftsideologie wie bei der Evangelischen Handwerkerbewegung. Dennoch ist die standesmäßige Verengung nicht vorhanden; die gesamtgesellschaftliche Orientierung kommt in der bundesweiten Organisation, der größeren Mitgliederzahl und dem weiteren Aufgabenfeld zum Ausdruck, Die politische Ausrichtung des Kolpingwerkes ist eindeutig auf die CDU/CSU festgelegt. Am Beispiel der Stellungnahmen zur Mitbestimmungsfrage (Novelle zum BVG) vom 6.6. 1970 und 8. IO. I97I werden in der ersten indirekt, in der zweiten direkt die Auffassungen der CDU/CSU gegenüber dem Koalitionsentwurf begrüßt: »Ein kritischer Vergleich 165 166
dieser beiden Entwürfe mit den einschlägigen Vorstellungen des Kolpingwerkes ergibt, daß der CDU/CSU Entwurf weit umfassender unsere Forderungen einholt«.51 Deutlicher kann man die CDU/CSU-Bindung nicht aussprechen. Eine eingehendere Analyse würde überdies ergeben, daß d~s Kolping~ werk jede neue Wendung in den A~ffassungen dieser P~rtel zur Mitbestimmung nachvollzieht. EIDe sehr starke Koordmation und Kooperation mit Gremien der CDU/C~U ist also anzunehmen. Diese These läßt sich auch durch dIe Tatsache stützen, daß das Kolpingwerk die VermögensbildungsJ?läne der »christlichen« Parteien übernommen hat. Im HOrizont dieser Verklammerung muß man folgende Sätze aus dem Programm des Kolpingwerkes Dietrich Horstmann Kirche und Handwerk
In: Y.Spiegel ( Hg.) Kirche und Klassenbindung , ed. Suhrkamp 709, Frankfurt a.M., 1974, S. 155ff
Der folgende Beitrag kann keine umfassende Analyse des Verhältnisses von Kirche und Handwerk sein; es fehlt nämlich, trotz vieler Einzeluntersuchungen zum Handwerk und zur Gesellschaftspolitik der Kirchen, an zusammenfassenden Darstellungen; über beide Bereiche und erst recht über das Verhältnis beider zueinander.
Im ersten Teil soll die Lage des Handwerks in ihren ökonomischen, ideologischen und parteipolitischen Aspekten skizziert werden. Der zweite Teil gibt zunächst einen Überblick über die »Arbeit an Handwerkern« in der evangelischen Kirche und im Kolpingwerk. Einige kritische Fragen zur Konzeption der bisherigen und geplanten Kooperation zwischen Evangelischer Kirche und Handwerk schließen sich an. Dabei muss vieles noch hypothetisch und pauschal bleiben. Konkret möchte der Beitrag Anstöße geben, die begonnene Kooperation kritischer zu analysieren, vor allem aber die Forderung nach einem längst fälligen neuen Gesamtkonzept für die kirchliche Gesellschaftsdiakonie und -politik auch von diesem kleinen Bereich aus erneut stellen. Er geht von einer Position aus, die die Interessen der Arbeitnehmer und Lehrlinge (Auszubildende) stärker berücksichtigt sehen möchte.
Definition des Handwerks
Ein Konsensus der Wissenschaft über die Definition des Begriffs Handwerk1 (ökonomisch, juristisch, soziologisch) besteht nicht.
»Es mag Zufall sein oder nicht, fest steht, dass ein verbreiteter Optimismus über die Lebenschancen des Handwerks einhergegangen ist mit der Abkehr von einer klaren wissenschaftlichen Definition des Handwerks und mit der Etablierung mächtiger handwerklicher Berufsorganisationen, deren interessenpolitisches legitimes Ziel darin besteht, den Sektor >Handwerk< innerhalb der Wirtschaft so groß wie möglich erscheinen zu lassen.«2
Handwerk ist also eine politische Größe. Es ist ihm gelungen, seinen Umfang monopolartig selbst zu bestimmen, obwohl die Zwangsinnungen 1953 aufgehoben wurden. Überspitzt formuliert: Wer in die Handwerksrolle eingetragen wird, gehört zum Handwerk, auch in den amtlichen Statistiken.3 So zählen heute zum Handwerk die traditionellen Zweige wie Bäcker, Schneider und Friseure, aber auch die neueren Zweige wie Kraftfahrzeugreparatur und das Bau-und Ausbaugewerbe. Handwerk umfasst also derart disparate Sektoren wie Güter und Warenproduktion, Reparatur und Dienstleistung (Handel). Die Handwerksinnungen, die Kreishandwerkerschaften und die 45 Handwerkskammern haben heute den Status als Körperschaften öffentlichen Rechts und genießen Privilegien in der Berufsausbildung und auf ökonomischem Gebiet (Subventionen). Verbandspolitisch wird »das Handwerk« durch den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) vertreten. Durch eine satzungsmäßig festgelegte personelle Identität in den Präsidien und Vorständen, eine gemeinsame Geschäftsstelle und gemeinsame "Offentlichkeitsarbeit«4 sind die Bundesvereinigung der Fachverbände des deutschen Handwerks (BFH) und der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT), beide zu diesem Zweck privatrechtliche Vereine, mit dem ZDH gleichgeschaltet. Diese Form des Zusammenschlusses ermöglicht einerseits das volle Ausnutzen der Privilegien der öffentlich-rechtlichen Körperschaft bei den Handwerkskammern, andererseits können von Landesebene ab die vereinigten Kammer und Fachverbände diese Privilegien für die partikularen Arbeitgeberinteressen im Handwerk bis hin zur Finanzierung des ZDH ausschöpfen. Diese rechtliche und organisatorische Konstruktion wird denn auch mit Recht im "Reuß-Gutachten« -einer Auftragsarbeit des DGB als illegitim und undemokratisch bezeichnet.5 Dies zu ändern ist wohl mehr eine politische Kampfaufgabe denn ein Streit mit Rechtsgutachten beider Seiten.6
Die ökonomische Lage
Die ökonomische Lage7 der einzelnen Branchen und Betriebe ist sehr unterschiedlich. »Seit 1950 nahm die Zahl der Betriebe kontinuierlich ab, bis 1967 um 27 Prozent. 8 Im Jahr 1970 betrug die Zahl der Betriebe nur noch 604400, das ist ein Rückgang von 33,1 Prozent gegenüber 1949 (902 800 Betriebe)9. 1971 existierten sogar nur noch 568 500 Betriebe.10 Dieser in den einzelnen Branchen unterschiedliche Strukturwandel betrifft vor allem die Kleinbetrieb: So nahmen die Betriebe mit 1 bis 9 Beschäftigten von 1956 bis 1963 um 15,1 Prozent ab, während im gleichen Zeitraum die mit über 50 Beschäftigten um 26,4 Prozent wuchsen.11 Trotzdem sind die Kleinbetriebe immer noch in der Mehrzahl. Ihr Umsatz und ihre Gewinne sind so gering, dass die Hälfte der Handwerker gerade ausreichend verdienen, um einen » „standesgemäßen Lebensunterhalt" zu erzielen.12 Viele Betriebe können nur existieren, weil Familienangehörige und Lehrlinge (Auszubildende) voll mitarbeiten. Überdies steigt die Zahl der nicht handwerklich ausgebildeten Arbeitnehmer ständig; Schätzungen vermuten bis zu 40% der Arbeitnehmer im Handwerk; es handelt sich in der Mehrzahl um Hilfsarbeiter (deutsche und ausländische). Man kann also von einer wachsenden » Proletarisierung« weiter Teile des Handwerks sprechen.
Diese hier nur angedeuteten Strukturprobleme werden durch die günstigen Prognosen für das gesamte Handwerk 13 nur mühsam verdeckt. Der steigende Umsatz überproportional in einen wenigen Branchen -und die leicht ansteigende Zahl der Beschäftigten von heute ca. 4,2 Millionen reichen für optimistische Erwartungen nicht aus. Auch der in letzter Zeit immer wieder ins Feld geführte Vorteil der Klein-und Mittelbetriebe bei technischen Innovationen findet seine Grenze an der mangelnden Kapitalausstattung zur Ausbeutung dieser Erfindungen. Die industrielle Gesellschaft im heutigen Kapitalismus mit ihrem rapiden Konzentrationsprozess 14 von Kapital, Arbeit und Wissen unterworfen, dem sich nur wenige hochspezialisierte und kapitalstarke Unternehmen werden entziehen können, Nur wenn sich das Handwerk dem Trend zu größeren Betriebseinheiten anpasst, rationalisiert, kooperiert und die Spielräume nutzt, die die Großindustrie, das Großkapital und die staatliche Wirtschaftspolitik ihm lassen wird es -allerdings radikal gewandelt »überleben" 15 Denn die von allen Seiten empfohlene »Anpassung« ist nur möglich bei steigenden Abhängigkeiten von den »Großen«, wie z. B. »die zunehmende Zahl der Vor-und Zulieferfirmen zeigt. «16 »Allein Siemens-Schuckert, die AEG, Fried. Krupp, Mannesmann, Opel und Daimler-Benz arbeiten insgesamt mit 120000 bis 130000 Zulieferfirmen zusammen.« 17 Ob die Handwerksbetriebe unter ihnen ihre stolze Selbständigkeit als "Partner der Industrie« werden bewahren können, ist fraglich. Eher wird gelten: »Je geringer die Autonomie, umso leichter die Partnerschaft zur Industrie.« 18 »Partnerschaft« bedeutet hierbei eine Verschleierung für »quasifeudale« Abhängigkeit. Von einem Gegengewicht zur Großindustrie kann man also kaum sprechen.19 So bedeutet »Anpassung« eine Entwicklung zum profitorientierten Betrieb mit »kapitalistischen« Produktionsbedingungen bei steigender Abhängigkeit von den »Großen«. Von Ausnahmen abgesehen führt also die Anpassungsstrategie (ähnlich wie in der Landwirtschaft und beim Einzelhandel) zum Untergang des selbständigen Handwerks als eigenständiger Größe, selbst wenn alternative Unternehmensmodelle entwickelt werden.
Pufferfunktion zwischen Kapital und Arbeit
Für den einzelnen Unternehmer bedeuten diese ökonomischen Fakten die Nötigung zum Abschied vom vorindustriellen Wirtschaften und vor allem von den entsprechenden Kulturmustern: Wertvorstellungen, Glaubensnormen, Sitten, Gewohnheiten und Rechtsvorstellungen :Denn bisher gilt noch weithin: »Sie [ die Handwerker] streben nicht nach Maximierung ihres Einkommens, sondern nach einem standesgemäßen Einkommen, sie bekennen sich nicht zum Wettbewerb, sondern zur Zusammenarbeit, sie wollen keinen leistungsfähigen Betrieb realisieren, statt dessen einen bedächtigen Arbeitsstil pflegen, sie bekennen sich nicht zum technischen Fortschritt, sondern zur Tradition«,20 Dies trifft natürlich nur für die Masse der Kleinunternehmer zu. Diejenigen, die sich von diesen vorindustriellen Mustern getrennt haben, geraten zunehmend in Konflikte mit ihren Interessenorganisationen auf den unteren Ebenen der Innungen und Kreishandwerkerschaften, weniger der Fachverbände. Es handelt sich hierbei meist um Unternehmer, die eine überdurchschnittliche Bildung haben und einen Umsatz erzielen, der ihnen Investitionen ermöglicht (nach Sack).21 Auf der Ebene der Spitzenverbände, des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH), des Deutschen Handwerkskammertages und der Bundesvereinigung der Zentralfachverbände, versucht man, diese »moderne Mentalität« zu stützen; dabei muss aber ständig auf die »Kleinen« Rücksicht genommen werden. Da freilich die neue Wirtschaftsmentalität mit einer konservativ-romantischen Mittelstandsideologie verbunden bleibt, gelingt die »Anpassung« kaum. Der Verzicht auf diese Ideologie, verstanden als eine umfassende Gesellschaftstheorie zur Durchsetzung partikularer Interessen, würde dem Handwerk ein wesentliches Kampfmittel rauben. Die Elemente dieser Ideologie sind oft beschriebien worden: Pufferfunktion zwischen Kapital und Arbeit, Verherrlichung des Kleinbetriebes, Patriarchalismus, Kulturpessimismus, antitechnischer Affekt, Antiintellektualismus, Antikommunismus, Gewerkschaftsfeindlichkeit, das Ideal einer konfliktfreien Volksgemeinschaft. Hinzu kommen für das Handwerk das Streben nach Selbstverwaltung und die Wunschvorstellung einer Zunftwirtschaft, neuerdings verbunden mit der Selbständigenideologie, kurz: eine berufsständische Gemeinschaftsideologie. 22 Vor allem auf dem Sektor der Berufsausbildung legitimiert das Handwerk seine Position mit dieser Ideologie. Handwerkliche Bildung Ist Immer noch primär »Erziehung«. »Arbeitsamkeit, Fleiß, Tüchtigkeit, Ehrlichkeit, Disziplin, allgemeines Verhalten nach bürgerlichen Tugenden«23 sind die an vorindustriellen Leitbildern, orientierten Ziele dieser patriarchalischen Melsterlehre.24 Bislang sicherte sich das Handwerk seinen Nachwuchs häufig dadurch, dass es diese z. T. autoritären Erziehungsziele zu allgemeinen »Tugenden« erhob. Dass Sie anachronistisch sind, zeigt sich auch im Rückgang der Lehrhngszahlen in jüngster Zeit. Auch in neuesten Veröffentlichungen verzichten Vertreter des Handwerks keineswegs auf diese »Dogmen«. Die Erhaltung von Kleinbetriebe wird, mit »sozialen« Argumenten begründet: »Diese Betriebe bilden eine gute Grundlage für den sozialen Aufstieg aus den unteren Schichten und sind damit ein Element zur Erhaltung des sozialen Friedens und der politischen Stabilität«. 25 Die Gründe für das Festhalten an dieser »staatserhaltenden« Mittelstandsideologie liegen auf der Hand: Da dem Handwerk ökonomische Machtmittel und große Mitgliederzahlen fehlen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als »die Bedeutung einer traditionsbewussten Gruppe für die Ordnung innerhalb des Staates«26 herauszustellen und von daher den "Anspruch auf staatlichen Schutz« abzuleiten. Konkreter: Auch in Zeiten ökonomischer Sicherheit muss sich das Handwerk gegenüber den Interessen der Konzerne und der Lohnabhängigen, neuerdings auch gegenüber den steigenden Wohlfahrts-und Sozialansprüchen, ständig behaupten. Dass die Pufferfunktion bloße Fiktion ist, zeigt sich in Krisen und bei zunehmender Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem, z. B. in der heutigen Situation: Faktisch nimmt das Handwerk für »die Unternehmer« gegen die Gewerkschaften und andere gesellschaftliche Interessen (z. B. der Forderung nach verbesserter Lebensqualität) Stellung. »Ein Festhalten an dieser Fiktion in der Klassengesellschaft des 2.0. Jahrhunderts [kann] nur gegenrevolutionären Charakter«27 haben.
Politische Orientierung
Politisch orientiert sich das Handwerk an konservativen und autoritären Leitbildern und tendiert zu Parteien der »rechten Mitte« oder in Krisen, gar nach »rechts«. Dies lässt sich historisch nachweisen. 28 Ob das Handwerk allerdings »in Zeiten ständisch orientierter und zugleich autoritärer Staatsführung«29 größere Erfolge hatte als in Zeiten mit demokratischer Regierungsform, darf wohl bezweifelt werden. So konnten die Handwerksverbände im »Dritten Reich« zwar ihre Standesinteressen durchsetzen: großer Befähigungsnachweis, eigenständiges Prüfungswesen mit betrieblicher Ausbildung, Pflichtinnungen u. a. Faktisch scheiterten sie ökonomisch wie schon in der Kaiserzeit -an der Macht des Großkapitals, besonders der Rüstungsindustrie, und an den mit ihnen verbündeten Parteien. Der späte Widerstand gegen die restriktive Kriegswirtschaft der Nazis vermittelte dem Handwerk die Illusion einer oppositionellen Kraft, die es Ihm ermöglichte, nach 1945 die alte Standesordnung fast ungebrochen zu übernehmen.
»Die Wiedererrichtung der alten Statusordnung des Mittelstandes ist ein bedeutsamer Aspekt der allgemeinen Restauration konservativer Wertvorstellungen und Institutionen in der Bundesrepublik. Die großen Wirtschaftsgewinne der letzten zwanzig Jahre sind auch dem alten Mittelstand zugutegekommen. Doch hat dieser wirtschaftliche Wohlstand an der konservativen Einstellung der Mittelständischen nichts Wesentliches geändert. Was ihre politische Einstellung betrifft, schätzte diese Mehrheit die autoritären Züge der Kanzlerdemokratie und stimmte deshalb für die Adenauerpartei. «30
Nur wenn man der autoritären Demokratie nach 1945 ihren demokratischen Charakter abspricht, kann man also von größeren Erfolgen in früheren Zeiten sprechen. Allgemein war der wirtschaftliche Erfolg des Handwerks immer dann größer, wenn die herrschenden Wirtschaftsmächte im Bündnis mit der jeweiligen politischen Macht eine Stützung ihrer Herrschaft benötigten. Die bewusste Integration des Mittelstandes zur Stabilisierung der Macht gehörte aber zu den tragenden Elementen der CDU/CSU-regierten Demokratie nach 1945 und sicherte dem Handwerk den wirtschaftlichen Erfolg. Bis heute sieht das Handwerk deshalb in den Mittelstandsgruppen der CDU/CSU, dem Diskussionskreis Mittelstand und der Mittelstandsvereinigung seine wichtigsten Verbündeten. Obwohl die SPD mit dem Godesberger Programm von ihrer traditionellen Bindung an die Arbeitnehmerschaft abgerückt ist und die marxistischen Untergangsprognosen31 für den alten Mittelstand (Erfurt 1891) der Vergangenheit angehören, bleibt in Kreisen des Handwerks eine deutliche Reserve gegenüber der SPD bestehen. Vor allem die alte Befürchtung, dass Großindustrie und Gewerkschaften sich auf Kosten des Mittelstandes einigen könnten, führt zu einer distanzierten Beurteilung der »Konzertierten Aktion« und zu einer relativ scharfen Ablehnung des CDU-Vorschlags zur Bildung eines Wirtschafts-und Sozialrates.32 Ob es der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständige in der SPD - sowohl innerparteilich wie bei den Handwerkern gelingt, alte Ressentiments abzubauen, kann hier nicht untersucht werden. Die in der Großen Koalition sichtbar gewordenen Übereinstimmungen in der Wirtschaftspolitik (soziale Marktwirtschaft), namentlich in Bezug auf den Mittelstand, könnten jedoch ein Arrangement zwischen Handwerk und SPD möglich machen. In den Jahresberichten des Handwerks betont man zwar die grundsätzliche Übereinstimmung mit den Reformprogrammen der Regierung; aber gleichzeitig wird in allen wesentlichen Einzelheiten die Politik der SPD/FDP-Koalition überwiegend mit Argumenten aus der CDU/CSU kritisiert.33 So muss es wohl bei der oben ausgesprochenen Behauptung bleiben, dass das Handwerk, jedenfalls in den Spitzen der Verbände, zur CDU/CSU-Mittelstandsgruppe tendiert. Nach Angaben des Geschäftsführers des Diskussionskreises Mittelstand, Dr. Spary, gehörten 1972 zwei von 45 Kammerpräsidenten (Aachen und Hamburg) der SPD an, während der Rest der CDU/CSU nahesteht oder ihr angehört. Da der Diskussionskreis Mittelstand die zahlenmäßig stärkste Interessengruppe in ihrer Fraktion darstellt und außerdem ein Drittel aller CDU-Mitglieder Selbständige sind (100000 von etwa 300000)34, scheint das Handwerk gut daran zu tun, hier seine Interessen vertreten zu lassen. Demgegenüber sei hier die Hypothese gewagt, dass in entscheidenden Fragen der Wirtschaftsrat oder die Fraktionsspitze gegenüber den Mittelständlern in der CDU/CSU den Ausschlag gibt. 35 Die Strategie ist wohl die: Durch partielle Stützung des Mittelstande, vor allem auf ideologischem Gebiet, weniger auf ökonomischem, soll der Großindustrie und dem Großkapital der größte Anteil gesichert bleiben. Der Mittelstand, interessanterweise um die großunternehmerfreundlichen »Leitenden Angestellten« erweitert, soll durch Subventionen und andere Hilfen so weit befriedet werden, dass das latent »revolutionäre« Potential nie so groß wird, dass es zu politischen Krisen kommt. Dieses Gleichgewicht erweist sich jedoch keineswegs mehr als stabil. Der in letzter Zeit verstärkte Einfluss der Großindustrie im politischen Bereich könnte also das Handwerk, besonders die große Zahl der Kleinstunternehmer, in die Arme antidemokratischer Parteien treiben. Wie schon angedeutet, ist die konservative Mittelstandsideologie als einer der wesentlichen Stützen des Handwerks in Wirtschaftskrisen tendenziell rechtsgerichtet bis faschistoid.36 So hatte die NPD in der Konjunkturkrise 1966167, ähnlich wie die Rechtsparteien in der Weimarer Zeit und schließlich die NSDAP, ihren Erfolg überwiegend dem selbständigen Mittelstand (Handwerker, Einzelhändler, Bauern) zu verdanken. Er war in der Mitglieder-wie in der Wählerschaft der NPD eindeutig überrepräsentiert.37 Die geschichtlichen Erfahrungen sind also vergessen. Da das Bündnis mit der CDU/CSU langfristig auf der Illusion der Stützung durch die »Großen« beruht, liegt m. E. eine politische Umorientierung eher im Interesse des Handwerks (und der Gesellschaft, die auf die Dienstleistungen des Handwerks angewiesen ist). Die Chancen für eine solche Umorientierung sind allerdings äußerst gering.
Zur Zusammenarbeit der Kirche mit dem Handwerk38
.Auf diesem ökonomischen, ideologischen und politischen Hintergrund soll in erster Linie die Rolle der Evangelischen Kirche untersucht werden. Dabei sind zwei Ebenen zu unterscheiden, die der Vereine und Verbände sowie die der SpitzenvereInIgungen. Faktisch besteht zwar eine Verzahnung beider Ebenen auf kirchlicher Seite; dennoch zeigen sich einige charakteristische Unterschiede, ähnlich wie beim Handwerk. Als Basis dienen Selbstdarstellungen, ohne dass ein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden kann. Die Rolle der Katholischen Kirche, ihre Verflechtung mit der CDU/CSU und die Unterschiede zur Handwerkerarbeit der evangelischen Kirche können leider nur am Rande erwähnt werden. Die politische Konzeption der katholischen Kirche soll an einigen wenigen Beispielen aus dem Bereich des Kolpingwerkes dargestellt werden. Die vorhandenen Unterschiede zur evangelischen Kirche sind im ideologischen Bereich nur gering. Die Mittelstandsideologie ist in der katholischen Kirche grundsätzlicher gefasst, da sie eine wesentliche Stütze des Subsidiaritätsprinzips und der Privateigentumsideologie ist. Der Mittelstand ist deshalb in der katholischen Kirche häufiger Gegenstand theoretischer und praktischer Arbeit. Noch prinzipieller gefasst und in einem größeren organisatorischen Rahmen gesehen, kann die Analyse auch für die katholische Gesellschaftslehre und -politik gelten.
Die Evangelische Handwerkerbewegung
Der »Verband Evangelischer Handwerker im Bundesgebiet e. V.« und die »Handwerkerbewegung der Männerarbeit der
Evangelischen Kirche in Deutschland« seit 1952: Sitz Offenbach/Main) sind seit 1962 in der »Aktionsgememschaft Kirche und Handwerk« mit einem gemeinsamen Presseorgan Handwerker und Kirche39 zusammengeschlossen, Sie versuchen, die Tradition der »Evangelischen Gesellen-und Meistervereine«40 fortzuführen. Allein die Tatsache, dass die Handwerkerbewegung berufsständisch ausgerichtet ist, ohne eine direkte institutionelle Verklammerung mit den Arbeitnehmervereinigungen in der evangelischen Kirche, noch viel weniger mit den Gewerkschaften, zeigt die anachronistische Verengung dieser Arbeit. Die Präambel der Männerarbeit orientiert sich dementsprechend an den Interessen der Handwerksverbände: »Sie setzt die berufsständischen Einrichtungen als notwendig und gegeben voraus und fördert eine fruchtbare Zusammenarbeit mit diesen Institutionen. «41 Allerdings handelt es sich gegenüber früher um kleine Gruppen. So umfasst der Verband einige Vereine, in Hessen und Westfalen liegt der Schwerpunkt, mit ca. 3000 Mitgliedern. Diese Vereine leben ähnlich wie die Handwerkerbewegung der Männer [!] Arbeit t der EKD von einem leicht modernisierten, romantischen Gemeinschaftsideal. Ziel der Männerarbeit ist immer noch -, »die Reste des Standes-und Klassenbewusstseins [in der Arbeiterschaft und im Handwerk] durch ein neu es Gemeinschaftsbewußtsein zu ersetzen. «42 Das Konzept der Zwanziger Jahre von einer konfliktfreien »Volksgemeinschaft« wird mit Appellen gegen die »Entpersönlichung«, Vermassung, für das »sittlich Anständige im Wirtschaftsleben«43 verbunden. Das Handwerk wird als moralisch höherstehend bewertet: »Handwerk und Handel stehen menschlich stellvertretend für die ganze Wirtschaft. « Von ihnen hängt »das Vertrauen zur Gesamtgesellschaft, zum Staat als der verfassten Gesellschaft und zur modernen Welt überhaupt«44 mit ab. Das Ideal des personalen Wirtschaftens wird gegen das bloß Technische gesetzt und das patriarchalische Meister-Gesellen-Lehrlings-Verhältnis zum Leitbild erhoben. Dieser antitechnische, kulturpessimistische und antidemokratische Affekt durchzieht die Veröffentlichungen beider Vereinigungen. 45 Hier zeigt sich die Mittelstandsideologie in Reinkultur, Der »Jargon der Eigentlichkeit« (Adorno) in den Veröffentlichungen ist nicht bloß ein sprachliches Defizit; er deckt auch den Realitätsverlust dieses Zweiges kirchlicher Arbeit auf. Natürlich fehlen die Aufrufe zur »Mobilität« und zur »Anpassung« nicht. Trotzdem mangelt es der Handwerkerarbeit an Entschlossenheit, die ökonomische Situation realistisch zu analysieren, wie das etwa die Denkschrift Die Neuordnung der Landwirtschaft46 bekundet. Die Ansätze zu einer Öffnung für »modernere« Fragestellungen besonders bei der »Männerarbeit« seien nicht verschwiegen; doch wird die Analyse zeigen, dass nur ein langsamer Anpassungsprozess in den Führungsgremien zu erwarten ist. Ihm werden schon dadurch Grenzen gesetzt sein, dass die Mehrheit der führenden Männer in der »Bewegung« zur CDU/CSU tendieren.47 Dies wird durch die unten aufgewiesenen gesellschaftspolitischen Positionen bestätigt. Ganz allgemein gilt zudem, dass "Protestanten mit starker kirchlicher Bindung« eher zur CDU neigen.48 Tendenziell müsste die evangelische Handwerkerschaft auch zur NPD neigen; dennoch ist bei Kirchentreuen im Unterschied zu den nichtkirchentreuen Protestanten der Mittelschichten die CDU-Bindung relativ stark.49
Der Deutsche Zentralverband des Kolpingwerkes
Der Deutsche Zentralverband des Kolpingwerkes baut sein »gesellschaftspolitisches Leitbild" vom 7.Juni I96950 konsequent nach dem Subsidiaritätsprinzip auf. Entsprechend diesem Gesellschaftsbild ist das Kolpingwerk an der Basis in »Familien« gegliedert. Hier zeigt sich also ein ähnlicher Ansatz mit einer familialen Gemeinschaftsideologie wie bei der Evangelischen Handwerkerbewegung. Dennoch ist die standesmäßige Verengung nicht vorhanden; die gesamtgesellschaftliche Orientierung kommt in der bundesweiten Organisation, der größeren Mitgliederzahl und dem weiteren Aufgabenfeld zum Ausdruck. Die politische Ausrichtung des Kolpingwerkes ist eindeutig auf die CDU/CSU festgelegt. Am Beispiel der Stellungnahmen zur Mitbestimmungsfrage (Novelle zum BVG) vom 6.6. 1970 und 8.10. I97I werden in der ersten indirekt, in der zweiten direkt die Auffassungen der CDU/CSU gegenüber dem Koalitionsentwurf begrüßt: »Ein kritischer Vergleich dieser beiden Entwürfe mit den einschlägigen Vorstellungen des Kolpingwerkes ergibt, dass der CDU/CSU Entwurf weit umfassender unsere Forderungen einholt«.51 Deutlicher kann man die CDU/CSU-Bindung nicht aussprechen. Eine eingehendere Analyse würde überdies ergeben, dass das Kolpingwerk jede neue Wendung in den Auffassungen dieser Partei zur Mitbestimmung nachvollzieht. Eine sehr starke Koordination und Kooperation mit Gremien der CDU/CSU ist also anzunehmen. Diese These lässt sich auch durch die Tatsache stützen, dass das Kolpingwerk die Vermögensbildungspläne der »christlichen« Parteien übernommen hat. Im Horizont dieser Verklammerung muss man folgende Sätze aus dem Programm des Kolpingwerkes Deutscher Zentralverband vom 18. Nov. 1971 lesen: »Deshalb arbeitet das Kolpingwerk mit den politischen Parteien zusammen, die seine gesellschaftspolitischen Ziele bejahen sowie kooperationsfähig und -willig sind. «52 Wer bejaht hier wen?
Zentralverband des Handwerks und Kirche
Das Handwerk suchte ab I966 53 über die bestehenden Kontakte hinaus direkte Beziehungen zur EKD. Es kam zu einem »Ständigen Arbeitskreis Kirche/Handwerk«.54. Das Handwerk suchte sich des Einflusses der EKD zu bedienen. Neben Fragen der Sozialenquete, den Bildungsaufgaben und den sozialethischen Grundsatzfragen (Denkschriften-Denkschrift) 55 ging es dem Handwerk vor allem darum, »dass die Gesprächsergebnisse [...] auch In der bei der EKD gebildeten Kammer für soziale Ordnung verwertet werden. «56 Bei diesen Gesprächen waren von Seiten des Handwerks nur Unternehmervertreter anwesend. Außerdem wurde eine Absprache getroffen, »wonach in keinem Falle mehr seitens der EKD irgendwelche Stellungnahmen, und hier im Besonderen im sozialpolitischen Bereich, abgegeben werden sollten, die nicht vorher mit dem Arbeitskreis des ZDH >Kirche Handwerk>, vereinbart wurden«.57 Mit Recht bezweifelt die DGB-Zeitung Gewerkschafter im Handwerk, ob nach. solchen Festlegungen eine wirkliche Zusammenarbeit Kirche Gewerkschaft überhaupt noch sinnvoll sei. Arbeitnehmerinteressen scheinen in diesem Zweig kirchlicher Arbeit sekundär zu sein. Dies wird dadurch bestätigt, dass es dem Handwerk gelang, wohl im Verein mit anderen, Einfluss auf die Studie der EKD zur Mitbestimmung zu nehmen. So wurden in einem besonderen Abschnitt, »Bestimmungsrechte kleiner Unternehmen«59, die Interessen der Unternehmer gesondert zur Sprache gebracht. Inhaltlich wird in diesem Abschnitt ein grundsätzlicher Widerspruch deutlich. Einerseits werden die Vorzüge des Familienbetriebes und der Selbständigkeit, die Arbeitsleistung der Inhaber und die »persönlichen Kontakte« zu den Lohnabhängigen positiv hervorgehoben; andererseits werden die daraus resultierenden Abhängigkeiten für die Arbeitnehmer, besonders in strukturell schwachen Gebieten, beklagt. Dieser Widerspruch wird dann durch Kompromißformeln nur scheinbar aufgelöst: Es sollte eine »gewisse Institutionalisierung dieser Beziehungen« zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern angestrebt werden; Mitbestimmung müsse »andere Formen haben als in Großunternehmen«, es müssten »neue Formen einer Beteiligung der Arbeitnehmerschaft an der Willensbildung in den Arbeitsgruppen und Betrieben gefunden werden«. Diese zu finden, sei Aufgabe der Verbände und Gewerkschaften. Die Zielangabe ist interessant: »Damit können sie einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Entwicklung und zur künftigen Erhaltung der wirtschaftlichen Freiheit leisten. « Hier zeigt sich am deutlichsten die entweder aus Unkenntnis besserer Lösungen oder aus bewusster Anpassung an die Interessen des Mittelstandes resultierende Verschleierung von Widersprüchen. »Soziale Entwicklung« meint wohl die Interessen der Arbeitnehmer, »wirtschaftliche Freiheit« wohl die Interessen der Unternehmer. Beide werden nicht als Antagonismen zwischen Kapital und Arbeit begriffen, sondern in den undefinierten »neuen Formen« scheinbar aufgelöst. Die Existenzprobleme der Kleinstunternehmer, die selbst Abhängige sind, und die Abhängigkeitsprobleme der Gesellen, Lehrlinge und mithelfenden Familienangehörigen werden so keineswegs verringert. In dieser Form nützt der Abschnitt praktisch nur den Arbeitgebern. Der Hinweis auf die Gewerkschaften muss zwar den traditionell gewerkschaftsfeindlichen Handwerkern nicht sehr angenehm geklungen haben, angesichts des (noch) geringen Einflusses der Gewerkschaften in Klein-und Mittelbetrieben wird dieser Vorschlag jedoch kaum als »bedrohlich« empfunden worden sein. Diese Analyse wird durch den Inhalt der anderen Teile der Mitbestimmungsstudie bestätigt. Sie vertreten ähnlich wie die CDU und die »integrationistische Strömung« im DGB 60 eine "Partnerschaftsideologie«. Von Parität ist hier keine Rede: wirkliche Partnerschaft hieße doch gleichberechtigte, paritätische Verfügung über die Produktionsmittel. So vertritt die »Denkstudie« faktisch die Interessen der Unternehmer. Eine Kritik an der Sozialpartnerschaftsideologie« oder eine konsequente Verwirklichung der "Partnerschaft« im wörtlichen Sinn hätte freilich den Konsens der herrschenden Gruppen In Frage gestellt und die Grundstruktur unseres Wirtschaftssystems berührt. Dazu war und ist die Kirche in der BRD nicht bereit. Das Eingeständnis eines fehlenden Konzepts besonders für die mittelständischen Unternehmen und damit der Verzicht auf den Abschnitt 17 der Studie wären also angebracht gewesen. So aber hat man dem Drängen einer partikularen Interessengruppe nachgegeben -mit einiger Konsequenz. Die Handwerkerbewegung hat aus der Denkschrift die entsprechenden Folgerungen gezogen: Sie lehnt die mit dem neuen Betriebsverfassungsgesetz vom 15. 1. 1972 eröffnete Möglichkeit, in Betrieben mit mehr als fünf Arbeitnehmern einen Betriebsrat zu wählen, mit bekannten Arbeitgeberargumenten ab61 : Handwerk sei eine eigenständige Wirtschaftsform (mit Sombart 1919). Die Arbeitnehmer wollten im Handwerk gar keine Gewerkschaft, wie der niedrige Organisierungsgrad beweise (S. 25). Mitbestimmung setze Mitverantwortung und -haftung voraus (S. 26). Demgegenüber wollten die Gewerkschaften nur Macht. Außerdem sei Demokratie »nicht ohne weiteres auf alle Lebensbereiche zu übertragen« (S. 26). Als Ausgangspunkt für eigene Überlegungen zur Mitbestimmung im Handwerk wird empfohlen: »Demut als Dien-Mut, Mut zum Dienen und füreinander da zu sein« (S. 28). Der positive Wert des Eigentums wird einseitig betont. Die Krönung bildet die Mittelstandsideologie: Das Handwerk habe »die Bedeutung einer Alternative der Freiheit des Wirtschaftens und damit zugleich des Lebens in der von mancherlei Zwängen bedrohten Gesellschaft von heute und morgen« (S. 29). Freiheit für wen, auf wessen Kosten?
Mitwelchen Mitteln wird »Freiheit« durchgesetzt? Dass diese Fragen nicht gestellt werden, bestätigt unsere Analyse der Mitbestimmungsdenkschrift und macht deutlich, dass die Handwerkerbewegung in ihrer »progressiven« Richtung, der Männerarbeit, nur scheinbar die Interessen aller im Handwerk Beschäftigten vertritt. In diesem Zusammenhang darf man auf die Stellungnahme der Handwerkerbewegung zu der Novelle zur Handwerksordnung vom Mai I97262 des DGB Bundesvorstands gespannt sein. Die Novelle sieht im Wesentlichen die paritätische Mitbestimmung und erweiterte Rechte für die Arbeitnehmer für alle Organe der Selbstverwaltung im Handwerk vor. Nach der bisherigen Entwicklung ist eine Ablehnung zu erwarten. Unmissverständlich ist die Ablehnung dieser Novelle des DGB durch das Kolpingwerk. Zunächst erschienen zwei Stellungnahmen im Dezemberheft des Kolpingblattes 1972, S.7, in denen zwei Funktionäre den DGB-Vorschlag rundweg als Machtergreifung der Gewerkschaften im Handwerk abwehrten. Im Januar 1973 gab der Vorstand des DHKT im Kolpingblatt seine Übereinstimmung mit dem Kolpingwerk in dieser Frage bekannt. Es kam zu heftigen internen Auseinandersetzungen.63 Mit einer »Erklärung zur Neuordnung im Organisationsbereich Handwerk« wurde diese Diskussion am 5· 10. 1973 beendet 64 : Sie tritt für die Beibehaltung der Selbstverwaltung im Handwerk ein und schlägt eine andere Struktur der paritätischen Mitbestimmung in der Wirtschaft vor: Als erste Stufe zu paritätisch besetzten Wirtschaftskammern sollen Arbeitnehmerkammern in öffentlich-rechtlicher Form gebildet werden (so schon in einer Erklärung vom 5· April 1971 ). Dahinter steht die Absicht, die Gewerkschaften bei der Mitbestimmung im Handwerk und darüber hinaus auszuschalten: "Die übliche -auch von den Gewerkschaften beigebrachte -Begründung für die paritätische Mitbestimmung mit dem Hinweis auf die Gleichberechtigung von Arbeit und Kapital kann wegen der Verschiedenheit dieser Faktoren im Handwerk nicht schlechthin auf den Handwerksbereich übertragen werden.« So lautet die Erklärung vom 5· Oktober I973. Hier finden sich also die bekannten Argumente der Arbeitgeber im Handwerk gegen die Mitbestimmung wieder, wobei im Unterschied zu der Evangelischen Handwerkerbewegung das CDU-Ziel der Errichtung von öffentlich-rechtlichen Wirtschaftskammern anvisiert wird, d. h. konkret: Reduzierung des Einflusses der Gewerkschaften durch öffentlich-rechtliche Anbindung an das »Gemeinwohl« und damit Schwächung der Rechte der Arbeitnehmer. Da dieses Ziel nicht erreichbar ist, will man die Arbeitnehmer von den Gewerkschaften trennen und in eigenen Kammern isolieren. So findet sich auch hier eine klare Parteinahme für die Arbeitgeberseite im Handwerk.
2. Einen gewissen vorläufigen Abschluss fanden die Bemühungen um Kooperation und Koordination mit »Kirche und Handwerk -Kooperationspapier des zentralen Besprechungskreises Kirche und Handwerk -Gedanken und Vorstellungen zur Intensivierung der Zusammenarbeit der Einrichtungen der Evangelischen Kirche und den Einrichtungen des Handwerks«65 vom April 1972. In diesem Gremium wirken neben der Kirchenkanzlei und der Gesamtorganisation des Handwerks Vertreter der Männerarbeit der EKD, der Handwerkerbewegung, des Verbandes Ev. Handwerker, der Kammer für soziale Ordnung der EKD und der landeskirchlichen Sozialämter mit.66 Ausgehend von der allgemeinen ökonomischen Situation des Handwerks und seiner bildungspolitischen Bedeutung wird in dem Papier die Zuständigkeit der Kirche mit den bekannten Leerformeln »Mitverantwortung« und »gesellschaftliche Diakonie«67 konstatiert. Als »gemeinsame Sachaufgaben« werden definiert: erstens Bildungspolitik (Fortbildung, Ausbildung der Ausbilder, sozialethische Fragen), zweitens Sozialpolitik (Sozialversicherung, Vermögensbildung, Betriebsverfassung, innerbetriebliche »Mitwirkung«), drittens die besondere Situation des Handwerks (Stützung der Klein-und Mittelbetriebe) und viertens Methoden, Voraussetzungen und Träger der Zusammenarbeit. Aus diesem Papier sollen hier nur einige grundsätzliche Aspekte kritisch analysiert werden. Auf den ersten Blick scheint das Papier frei von aller Mittelstandsideologie zu sein. Die genauere Betrachtung zeigt aber, dass das Handwerk seine alten Standesinteressen durchzusetzen versucht. Die partikularen wirtschaftspolitischen Interessen sind freilich, wie oben gezeigt wurde, angesichts der Kapitalkonzentration und der zunehmenden Macht der anderen Wirtschaftsverbände auch mit Hilfe der Kirche kaum durchsetzbar. Eine Zusammenarbeit ist also illusionär. Auch sozialpolitisch ist die Stützung »persönlich geführter Unternehmen«68 kaum noch zu erreichen, keineswegs aber zu fordern. »Die Arbeiter und die Angestellten, deren Erscheinen sich so unmittelbar aus der neuen industriellen Produktionsweise entwickelt hat und die die Form der modernen industriellen Gesellschaft teils als Produktionskraft, teils als Konsumkraft repräsentieren, werden nicht bereit sein, mittelständische Reservate aus ihrem Einkommen zu finanzieren, gleichsam eine versteckte Arbeits-und Sozialfürsorge zu betreiben.«69 Formen der Kooperation, der Trend zu größeren Einheiten im Handwerk selbst signalisieren denn auch bereits eine Abkehr von der Selbständigkeit um jeden Preis. Die »Ermutigung«, »das Risiko einer wirtschaftlichen Selbständigkeit zu übernehmen« 70, erweist sich schon heute als ein zweifelhafter Rat. Das Handwerk erwartet also von der Kirche Hilfe bei der Verwirklichung partikularer Interessen, die als »Gemeinwohl« ausgegeben werden. So »muss die moderne Sozial-und Wirtschaftspolitik künftig stärker die Aufgaben und Leistungen der persönlich geführten Unternehmen berücksichtigen«? 71; so soll durch »eine sinnvolle Betriebsverfassung« die Mitwirkung der Belegschaft, aber vor allem »die notwendige Entscheidungsfreiheit der Unternehmensleitung in der Führung des Betriebs sichergestellt« 72 werden. Ob sich die Kirche so zum Diener von Einzelinteressen machen kann, ist mehr als fraglich. Hier finden sich jedenfalls Aussagen, die dem selbstgewählten Maßstab, von höchster »Objektivität, Sachkunde und theologischer Sorgfalt« 73 zu sein, kaum genügen. Denn auch theologisch wäre ein solches Kooperationspapier nur von der ideologischen, ständischen Naturrechtslehre katholischer Prägung her zu begründen. Auf evangelischer Seite findet sich denn auch kaum ein Verfechter einer »Freiheits-und Privatrechtsideologie«,74 Unter dem Deckmantel der »verantwortlichen Gesellschaft« scheinen subsidiäre Naturrechtsauffassungen unerkannt zu herrschen. Auch auf dem Gebiet der beruflichen Bildung erweist sich das Papier als einseitig. Mit »ständiger Anpassung« allein ist es wohl nicht mehr getan. Die strukturellen Mängel gerade in der handwerklichen Ausbildung sind zu offenkundig 75: »Obwohl das Handwerk nur halb so viel Arbeitskräfte wie die Industrie beschäftigt: bildet es jeden dritten Lehrling aus«.76 »Vom Handwerk wurden 1966 mit rund 470000 Jugendlichen fast zwei Drittel aller gewerblichen Lehrlinge ausgebildet. Nur etwa ein Drittel kann damit rechnen, auch als Geselle von einem Meister weiterbeschäftigt zu werden. Die übrigen müssen in die Industrie abwandern. So finden sich
[...] Bäcker, Fleischer oder Schreiner in einem Hüttenwerk oder am Fließband wieder.«77 »Die Hälfte der bei Bosch beschäftigten Arbeiter haben im Handwerk einen völlig anderen Beruf gelernt, bei Bayer sind es 54 Prozent.,,78 »Da viele der im Handwerk Ausgebildeten auf vorindustrielle Produktionsverhältnisse getrimmt werden, müssen sie sich entweder von der Industrie als Hilfsarbeiter verschleißen lassen oder aber einen zweiten Beruf lernen.«79 Hinter diesen Fakten verbirgt sich nun keineswegs böser Wille der Handwerksunternehmer. Lehrlinge aufzunehmen ist für viele Handwerker bittere ökonomische Notwendigkeit, um konkurrenzfähig zu bleiben. Gleichzeitig zeigt sich hier aber die Kehrseite der vielgepriesenen »Partnerschaft zur Industrie«. Auch hier profitiert letztlich die Industrie vom Handwerk, beide jedoch oft auf Kosten des Jugendlichen. Die Bemerkung im Kooperationspapier, dass die handwerkliche Ausbildung »einen entwicklungsfähigen Berufsweg im Handwerk, in Industrie und Verwaltung« eröffnet« 80, hält einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand. Auch hier wird deutlich, dass die Kirche sich zum Vollstrecker einseitiger Interessen auf Kosten der Arbeitnehmer machen würde, wenn sie die Vorstellungen des Handwerks von beruflicher Bildung übernähme. Das bedeutet übrigens auch, dass die Kirche kritischer gegenüber der eindeutig bloß normativ begründeten »Aufstiegsideologie«81 - nicht nur in Bezug auf das Handwerk - Stellung nähme. Für die berufliche Bildung müssten kirchlicherseits erst einmal die zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen über die Situation im Handwerk zur Kenntnis genommen werden. Durch Zusammenarbeit mit anderen Bereichen kirchlicher Sozialarbeit könnten zusätzliche Korrekturen am Inhalt des Kooperationspapiers und der darauf aufbauenden Arbeit gemacht werden. Beides ist dringend erforderlich.
Abschließende Fragen und Konsequenzen
Aus der Analyse der Handwerksideologie und der mit ihr verbundenen kirchlichen Handwerkerarbeit ergeben sich einige grundsätzliche Fragen. Es ist deutlich geworden, dass die kirchliche Seite unter dem Deckmantel der »Sozialpartnerschaft« bewusst oder unbewusst faktisch die Interessen der Selbständigen im Handwerk vertritt. Ein eigenes, theologisch-kritisch fundiertes Konzept für die Rolle der mittelständischen Unternehmen und, darüber hinaus, für die Wirtschafts-und Gesellschaftsordnung in der BRD hat sie nicht. Die kirchlichen Institutionen können in den Konflikten der Gesellschaft nicht länger die Fiktion ihrer gesellschaftspolitischen Neutralität aufrechterhalten. Eine kritische Analyse zeigt, dass Neutralität praktisch zumeist die Herrschenden stützt. Dies kann nicht die Aufgabe der Kirche sein; die Kirche kann m. E. nur parteiisch für die »Schwachen« sein. Die sicher berechtigte Vertretung der wirtschaftlich schwachen Kleinunternehmer gegenüber den »Großen« ist nur insoweit vertretbar, als sie die sozial noch Schwächeren, die Gesellen, die Lehrlinge und die mithelfenden Familienangehörigen, nicht noch mehr diskriminiert. Damit ist aber die Kirche genötigt, ihr Konzept »von unten« her zu entwickeln. Das bedeutet heute, gegen eine bestimmte Selbständigenideologie Partei zu ergreifen, da letztlich die Selbständigen im Handwerk faktisch im Bündnis mit den großen Wirtschaftsmächten gestanden haben und stehen. Es sei hier die Behauptung gewagt, dass auch die Kleinunternehmer im Handwerk durch ein Bündnis mit den Arbeitern und Angestellten, langfristig gesehen, bessere Chancen haben. Für die Kirche allerdings ist es eine Grundfrage der Sozialethik und der Sozialpolitik, ob sie das Risiko der Solidarität mit den sozial Schwachen theologisch gesprochen: das Kreuz zu tragen aus der Hoffnung der Hoffnungslosen82 -zu teilen bereit ist. Dass die Kirche ein solch neues Konzept der Gesellschafts-und Wirtschaftspolitik nur „ideologisch", d. h. interessengebunden, begründen kann, braucht sie dabei nicht zu verschleiern. Voraussetzung dafür ist eine herrschafts-und interessenorientierte Ideologiekritik, zu der die obigen Überlegungen einen Beitrag liefern wollen.
Anmerkungen zu D. Horstmann, Kirche und Handwerk
1 F. Sack, Integration und Anpassung des Handwerks in der industriellen Gesellschaft. Dargestellt am Schreinerhandwerk in Deutschland, Köln/Opladen 1966,S. 112 ff.
2 Ebd., S. 119.
3 Ebd., S. 117; V. ebd., Struktur und Funktion der Handwerksorganisationen in Deutschland seit 1933, Berlin 1966.
4 E. Buchholz, Die Wirtschaftsverbände in der Wirtschaftsgesellschaft, Tübingen 1969, S. 35.
5 Reuß-Gutachten, Rechtsgutachten und Stellungnahmen, DGB-Bundesvorstand (Hrsg.), Bochum (September) 1973, S. 24 u. ö.
6 Vgl. die weiteren Rechtsgutachten im Auftrag des ZDH: L. Fröhler, Die interessenvertretende Funktion der Handwerkskammer, S. 35 H., und G. Küchenhoff, Die Vereinigungsfreiheit von Körperschaften des öffentlichen Rechts, ebd., S. 45 ff.
7 Th. Beckermann, Die Handwerkswirtschaft. Eine volkswirtschaftliche Analyse, Essen 1965; Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung Essen (Hrsg.), Konjunkturberichte über das Handwerk, Berlin (jährlich).
8 H.-]. Haug, H. Maessen, Was wollen die Lehrlinge? Frankfurt 1971,
9 Handwerk 1970, S. 6)
10 Konjunkturberichte. 19, 1972, S. 5.
11 P. Schöber, Die Wirtschaftsmentalität 4er westdeutschen Handwerker, Köln/Opladen 1969, S. 60. 12 Ebd., S. 64.
13 K. H. Schmidt, Das Handwerk 1975. Prognose voraussichtlicher Entwicklung in der BRD, Göttingen 1969; und Lit. Anm. 7.
14 J. Hufschmidt, Die Politik des Kapitals. Konzentration und Wirtschaftspolitik in der BRD, Frankfurt 1969.
15 K. W. Bötticher, Die Aussichten des Mittelstandes in der industriellen Gesellschaft, in: A. F. Utz (Hrsg.), Der Mittelstand in der Wirtschaftsordnung heute, Heidelberg/Löwen 1959, S. I2 ff.
16 ZDH (Hrsg.), Zuliefertätigkeit -eine Form der Kooperation zwischen Handwerk und Industrie, Schriften reihe des ZDH, H. 4, Bonn o. J.
17 Beckermann. Handwerkswirtschaft, S. 64.
18 Boetticher, Aussichten, S. 51.
19 H. A. Winkler, Mittelstand, Demokratie und Nationalsozialismus. Die politische Entwicklung von Handwerk und Kleinhandel in der Weimarer Republik, Köln 1972, S. 188.
20 Schöber, Wirtschaftsmentalität, S. 64. 21 Sack, Integration.
22 A. Schweitzer, Die Nazifizierung des Mittelstandes, Stuttgart 1970, S. 26 H.; H. A. Winkler, Mittelstand, S. 117.
23 Haug, Maessen, Lehrlinge, S. 69.
24 Zur Kritik der Meisterlehre: G. Stütz (Hrsg.), Das Handwerk als Leitbild der deutschen Berufserziehung, Göttingen 1969: B. Lutz, D. Winterhager, Zur Situation der Lehrlingsausbildung, in: Deutscher Bildungsrat (Hrsg.), Gutachten und Studien der Bildungskommission, Band 11, Stuttgart 1970; M. Baethge, Ausbildung und Herrschaft, Frankfurt 1970; O. Seeber I D. Horstmann, Lehrlinge, in: O. Seeber I Y. Spiegel (Hrsg.), Behindert-Süchtig-Obdachlos, München 1973, S. II6 ff
25 G. Schulhoff, Betriebsgrössenorientierte Strukturpolitik, in: H. Gewandt (Hrsg.), Die Zukunft des Mittelstandes, Düsseldorf/Wien 1969, S. 14.
26 ebd , Struktur, S. 22
27 Winkler, Mittelstand, S. 117.
28 Ebd. und Schweitzer, Nazifizierung.
,
29 ehest, Struktur, S. 22
30 Schweitzer, Nazifizierung, S. 178.
31 Winkler, Nazifizierung, S. 124 ff
32 Handwerk 1970, S. 42 ff.
33 Ebd., S. 17 ff.
34 Stern Nr. 16, 1972, S. 17.
35 H. Kaack, Geschichte und Struktur des deutschen Parteiensystems, Opladen 1971, S. 546 f.
36 S. Lipset. Soziologie und Demokratie, Kap. V, S. 135 ff.; H. A. Winkler, ~ Mittelstand, S. 16, Schweitzer, Nazifizierung.
37 R. Kühnl u. a., Die NPD. Struktur, Ideologie und Funktion, Frankfurt 1969, S. 220 ff.
38 Handwerk 1968, S. 307 ff .; Handwerk 1969, S. 304 ff.; W. Coers, Kirche und Handwerk im Gespräch. Deutsches Handwerksblatt, 19, 1970, H.22, S. 26 ff.; Handwerk 197:1, S. 26 ff.
39 Aktionsgemeinschaft »Kirche und Handwerk« (Hrsg.), Handwerker und Kirche, Gelsenkirchen, 4 I, 1972.
40 L. Przybylski, Geschichte der Evangelischen Gesellenvereine, I. Teil 1894 bis 1934, Schriftenreihe Kirche und Handwerk, Nr. 6-8, Bochum 1964.
41 In: Männerarbeit der EKD (Hrsg.), Materialsammlung Handwerk, Offenbach/Main, o. J. (1972.), S.1
42 W. Bienert, Der Handwerker heute und morgen, Gütersloh o. J., S. 38
43 H. Storck, Das sittlich Anständige im Wirtschaftsleben, in: Forschung und Führung im Handwerk, Gütersloh o. J. (195 9?), Band I, S. 9 ff.
44 K. Becker, Qualität ist mehr als Leistung, in: Handwerker und Kirche, 40, 1971, H. 3, S. 15.
45 S. Anm. 39 bis 43·
46 Rat der EKD (Hrsg.), Die Neuordnung der Landwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland als gesellschaftliche Aufgabe. Eine evangelische Denkschrift, Bonn 0. J. (1965).
47 Nach mündlichen Aussagen eines führenden Verbandsmitgliedes.
48 H. Kaack, Geschichte, S. 441 (Lit.).
49 Kühnl u. a., NPD, S. 220 ff.
50 In: Kolpingwerk Deutscher Zentralverband e.V. Köln, (Hrsg.), Idee & Tat. Arbeitshilfen für die Gruppen der Kolpingfamilie, Köln, H. 3/1972, S. 133.
51 Ebd., S. 154
52 Loses Blatt, Kolpingwerk Deutscher Zentralverband (Hrsg.), Bad Wörrishofen 1971.
53 Coers, Kirche, S. 26.
54 Ebd.
55 Rat der EKD (Hrsg.), Aufgaben und Grenzen kirchlicher Äußerungen Zu gesellschaftlichen Fragen. Eine Denkschrift der Kammer für soziale Ordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland. Eine Studie, Hamburg 1968.
56 Handwerk I968, S. 308.
57 Zusammenarbeit Kirche-Handwerk, in: DGB-Bundesvorstand (Hrsg.), Gewerkschafter im Handwerk, Bochum, H. 8, 1970, S. 7.
58 Rat der EKD (Hrsg.), Sozialethische Erwägungen Zur Mitbestimmung in der Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland, Gütersloh 1970.
59 Ebd., Abschnitt 17, auch die folgenden Zitate.
60 Institut für Marxistische Studien und Forschungen (IMSF) (Hrsg.), Mitbestimmung als Kampfaufgabe, Köln 1971, S. 51.
61 Männerarbeit der EKD (Hrsg.), Materialsammlung Handwerk, Offenbach am Main, o. J. (1972), S. 25-29.
62 DGB-Bundesvorstand (Hrsg.), DBG-Forderung Novellierung der Handwerksordnung, Bochum (Nachdruck Juni) 1973.
63 Diskussion um die Handwerksordnung, in: Idee & Tat, H. 3/73, S. 203 ff., Kolpingblatt-Artikel, ebd., H. 2/73, S. 413 ff
64 Hektographierte Erklärung des Kolpingwerkes.
65 Kooperationspapier, Druck und Layout, Männerarbeit der EKD, 1972.
66 Ebd., S. 8.
67 Rat der EKD, Aufgaben.
68 Kooperationspapier, S.5
69 Boetticher, Aussichten, S. 42.
70 Kooperationspapier, S. 5.
71 Ebd.
72 Ebd.
73 Aufgaben, Abs. 35, S. 20.
74 A. F. Utz, Maximen moderner Mittelstandspolitik, Stuttgart 1968,S.50 f.
75 S. Lit. Anm. 8 und 24.
76 Haug, Maessen, Lehrlinge, S. 74.
77 Ebd., S. 98 (nach M. Jungblut, Rebellion der überflüssigen, Bergisch Gladbach, 1967).
78 Ebd., S. 98.
79 Ebd.
80 Kooperationspapier, S. 3.
81 C. Offe. Leistungsprinzip und industrielle Arbeit, Frankfurt 1970.
82 J. Moltmann, Theologische Kritik der politischen Religion, in: J. B. Metz u. a., Kirche im Prozess der Aufklärung, München-Mainz 1970, S. 50 f.
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