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Klafki

Wolfgang Klafki

Das pädagogische Problem des Elementaren und die Theorie der kategorialen Bildung . 2. Auflage 1963

S. 409-411 Auszüge

"b) Berufliche Bildung

Mit besonderer Intensität ist das Problem des Elementaren, Fundamentalen, Exemplarischen seit etwa einem Jahrzehnt im Bereich der Berufspädagogik diskutiert worden. Auch hier die "Beschränkung auf das Wesentliche, die eindringende Begegnung mit bedeutungsvollem Exemplarischen" Anm.443 als die vordringlichste Aufgabe. "Es hat sich gezeigt, daß die Berufserziehung ... in den Berufsschulen und Lehrwerkstätten allzu sehr spezialisiert werden darf, sondern mehr den einer relativ-allgemeinen elementaren Berufsausbildung tragen sollte ..." Anm.444 Die hier erhobene Forderung wird in der Berufspädagogik gewöhnlich mit dem Begriff "Grundausbildung" bezeichnet. Anm. 445

Sie umfaßt vier Aufgabenbereiche: Es geht einmal darum, hinter die unendliche Fülle der selbst innerhalb jedes Berufes spezialisierten Fertigkeiten und Kenntnisse zurückzugehen auf die innerhalb der großen Berufsgruppen (Metall, -Holz, -Textil-, kaufmännische Berufe usw.) geltenden Grundtätigkeiten und Grundeinsichten oder sogar noch weiter auf eine allgemeine Berufsgrundbildung. Von hier aus wird dann ein gestuftes Fortschreiten zu allmählicher Spezialisierung möglich. "…





"Als zweite Aufgabe ist gerade in der modernen Arbeitswelt die Erziehung zu elementaren sittlich-sozialen Berufstugenden in den Blick gerückt, um deren Ausbildung schon Kerschensteiner - wenn auch nur im Aspekt handwerklicher Arbeit - bemüht war; die schwierige Aufgabe ist hier, fruchtbare Situationen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit, einen Stufengang von Aufgaben wachsender Verantwortung, Grundmöglichkeiten innerbetrieblicher Führung und Hilfe erfahren und in der Besinnung durchdringen zu lassen. Anm. 452

Hier schließt sich ein dritter Aufgabenkreis an, dessen Beachtung die herkömmliche Scheidung von Berufs-und Allgemeinbildung vom Aspekt der ersteren aus durchbricht, den angemessen zur Geltung zu bringen aber tiefe organisatorische, vor allem zeitliche Änderungen der herkömmlichen Berufsbildung in Berufsschulen, Fachschulen und Betrieben erfordern würde. Fritz Blättner hat auf diese Aufgabe, die fiir die Ausbildung der sog. ungelernten Arbeiter von ganz besonderer Wichtigkeit ist, schon früher mit der Forderung nach Auswahl von "Modellfallen der Welt-und Lebenskunde" hingewiesen und sie in seiner jüngeren Pädagogik der Berufsschule" (1958) noch weiter differenziert: als "humanistische, musischgesellige Aufgabe", bei der es um Erziehung zu "Urteilsfähigkeit und Empfänglichkeit" im Hinblick auf das gesellige Gespräch und auf die Möglichkeiten sinnvoller Erfüllung der Freizeit geht, und als religiöse Aufgabe, die er als Erweckung von "Gewissen und Glauben" versteht. Anm.453





Von allen genannten Aufgabenkreisen aus eröffnen sich schließlich Zugänge zu einem vierten Problemfeld: Vom Berufs-und Arbeitsleben des jungen Menschen und seiner dadurch bestimmten Lebensperspektive kann der "Einstieg" in den Zusammenhang der bewegenden Kräfte der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Wirklichkeit gelingen, ohne deren Kenntnis auch die besondere menschliche und berufliche Situation des einzelnen nicht verstanden werden kann. Das Grundverhältnis von Besonderem und Allgemeinem, das für das Problem des Elementaren konstitutiv ist, tritt hier in dem Verhältnis von "Beruf" und individueller Lebenserfahrung einerseits und Gesamtwirklichkeit" andererseits ein weiteres Mal prägnant Th. Litt fordert: "Es gilt, aIle die Fäden sichtbar zu machen, die die scheinbar so eng umschränkte, so streng spezialisierte Sonderwelt des Berufs (und man konnte hier ergänzen: und des individuellen Lebens, d. Verf.) mit dem Lebensgang der ganzen Kulturwelt verknüpfen." Anm 454

Die politische Seite der vom Zentrum des Berufes aus zu gewinnenden elementaren Allgemeinbildung haben E. Weniger, O. Monsheimer u.a. dargestellt. Anm 455 "