Arbeitsblätter für Lehrende und Lernende für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II
Dietrich Horstmann
Wenn möglich : In zwei getrennten Schritten für Lehrperson und Lernende durchzuführen. Formen : Selbstreflexion, direkte Befragung oder stellvertretende Reflexion.
I. Persönliche Dimension - "ICH"
Generalthema : Wo betrifft das Thema den Einzelnen persönlich ? "anthropogene Voraussetzungen "
1. Meine spontanen Einfälle zum Thema -ungeordnet
2. Welche aktuellen Anläße haben das Thema hervorgerufen ?
3. Wo ist das Thema zuerst im Leben aufgetaucht? - Situationen, Erlebnisse, Szenen - eigene , konkret
4. Welche Gefühle haben diese Erlebnisse begleitet ? - damals ......? - wie erlebe ich das heute ? (Gefühle wie : Wut, Abscheu, Trauer, Angst, Freude, ... ) - In welche Ambivalenzen führt mich das Thema ?
5. Welche Phantasien löst das Thema aus ? Größe, Ohnmacht, Wünsche, Illusionen
6. Welche Bilder und Symbole fallen mir ein ?
7. Wo berührt das Thema meinen persönlichen Glauben - meine Zweifel?
8. Welche Erfahrungen verbinden sich mit dem Thema ? (Erfahrungen sind verarbeitete Gefühle und Erlebnisse)
9. Welche persönlichen Einstellungen/ Meinungen/ Urteile/ Vorurteile habe ich zum Thema ? Wie fest - wie unsicher bin ich ? Was steht für mich fest ?
10.Welche Kenntnisse habe ich, die mich persönlich weitergebracht haben ?
Zentrierungsvorschläge:
- Was ist bedeutsam für mein persönliches Wachstum ?
- Was möchten wir - Lehrperson und Lernende - an wirklich Wichtigem: gefühlsmäßig äußern, mitfühlen, mitteilen, von anderen erfahren an Gefühlen, Erlebnissen, Erfahrungen, Urteilen, Meinungen..?
- Was sind die persönlichen Unterthemen und das Generalthema für mich und diese Lerngruppe ? Auf Polaritäten achten und als persönliches Lernthema formulieren
II. Die Gruppe und das Thema - "WIR"
Soziokulturelle Analyse
Generalthema : Welchen Sitz in meinem Leben / der Jugendlichen
hat das Thema und was bedeutet dies für die Stunde/die Reihe ?
1. Wie werden die Jugendlichen dieser konkreten Lerngruppe auf das Thema reagieren ? Ich stelle mir dabei drei Jugendliche vor... (begeisterter- gleichgültiger- ablehnender oder:. Riemans Grundformen : schizoid, depressiv,hysterisch,zwanghaft oder: Nähe-Distanz-Dauer-Wechsel)
2. Welche Spannungen wird es in der Lerngruppe auslösen? Was könnte das für Konsequenzen haben ?
3. Welches Lebensgefühl der Jugendlichen wird angesprochen?
4. In welchem sozialen Zusammenhang tritt das Thema auf ? Familie, Clique, Verein, Institutionen Schule, Betrieb, Kirche, Medien (=Sitz im Leben)
5. In welcher Rolle betrifft die Lerngruppe das Thema ? Als Mann, als Frau ? familiäre Rollen - als Kind -Erwachsener- Eltern Wo kommt es in meiner Berufsrolle vor ? Wo ist es für mich als Mitglied einer Religionsgemeinschaft bedeutsam ? Wie würde in einer kirchlichen Jugendgruppe mit dem Thema umgegangen ? Wie in einem Jugendgottesdienst?
6. Welche Bedeutung für die Zukunft dieser Lerngruppe hat das Thema ?
Zentrierungsvorschläge
- Wo ist der zentrale Sitz im Leben,wo es soziale Relevanz besitzt?
- Welche Erfahrungswelt sollte der Unterricht ansprechen oder bewußt vermeiden ?
- Was möchte ich als wirklich wichtig aufnehmen, überprüfen, durchschauen,
III. Thematische Aspekte - "ES" und Rahmenbedingungen
"Sachanalyse"
Generalthema: Welche gesellschaftlichen, politischen und weltweiten / kosmischen Bedingungen bestimmen das Thema ?
1.Welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen betrifft das Thema :
Öffentliche Meinung,Medien Kirche, Politik, Grundorientierungen gesellschaftlicher Art ("progressiv-konservativ") Erde und weltweite Perspektiven
2. Welche Lösungen bietet die Gesellschaft an :
Wissenschaft, Religion/en, Konfessionen, politische Gruppen.
3. Welche Interessen spielen dabei eine Rolle ?
4. Welche weltweite Dimension hat das Thema ?
5. Welche Zukunftsbedeutung für die Erde hat das Thema
6. Welche Handlungsmöglichkeiten sehe ich für mich, für Gruppen,
für Großgruppen, Oekumene, angesichts dieser Bedingungen ?
7. Welche geschichtlichen Dimensionen hat das Thema ?
Traditionsbezüge
Zentrierungsvorschläge :
1. Von welchen Rahmenbedingungen ist die Bearbeitung des Themas abhängig ?
2. Auf welcher Realitätsebene ist das Thema vorwiegend lebendig, wirksam, aktuell ?
aus: Richtlinien zur Erprobung Evangelische Religionslehre NRW, 1998
Aktionen
* Leserbrief schreiben * Wunderbares entdecken * Material aus der Infothek / Bibliothek besorgen * Quiz durchführen * Phantasiereise * Besuch einer Expertin oder eines Experten, z. B. Gefängnispfarrerin oder Gefängnispfarrers * Konfliktfall im Betrieb durchspielen / lösen * Zeitungen befragen * Beitrag für die Schülerzeitung schreiben * Demonstrationen * Bedürftigen helfen * Jemandem eine Freude bereiten * Aktion "Ökologie in der Schule" * Befragung * Literaturtisch * Mind-Mapping * Rollen- und Planspiel * Fallbesprechung * Selbsterfahrungsübung
Dokumentationen
* Eine Zeitleiste der Religionen erstellen * Einen Info-Korb Islam/Judentum machen * Infomappe * Fotodokumentation * Ton-Diareihe * Ausstellung * Wandzeitung erstellen * Erfahrungsberichte anfertigen und präsen tieren * Videofilm * Traumbuch führen * Infostand - Gestalten * Tafelbild erstellen * Sketch * Jute-Taschen bemalen * Biblische Geschichten umschreiben (verfremdet in die heutige Zeit ) übertragen * aktuelle Texte (Zeitung etc.) in biblische Sprache übersetzen * eigene Bilder auf Folie brennen * Texte drucken * Sprühwand aufstellen * T-Shirt bemalen * Portraits von Klassenkameraden erstellen * Spiel erstellen * Kurzfilm drehen * Hörspiel aufnehmen * Bilder malen * Collage erstellen * Plastik gestalten * Fotos machen * Gedichte schreiben * Lieder texten und vortragen * Hochzeits-/Geburts-/Todesanzeigen gestalten
Veranstaltungen
* Schulgottesdienst * Podiumsdiskussion / Hearing * Musikveranstaltung * Weihnachtsbasar * Theaterwerkstatt * Solidaritätsfest - Exkursionen / Unterrichtsgänge * Ausbildungsplätze erkunden (andere Bran che / Betriebe) * Kirche - Moschee - Synagoge besuchen * Telefonseelsorge * Kloster * Arbeitslosenzentrum * Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) * Referat für kirchliche Ausländerarbeit * Behinderteneinrichtung * Kirchentag * Schuldnerberatung * mit dem Rollstuhl die Stadt erkunden * als Nichtseßhafter verkleidet betteln * als Ausländer verkleidet durch die Stadt gehen
Befragung der Lehrperson Religion - Was ich immer schon mal wissen wollte...Wie stehen Sie zu ...?
Qualifikationen / Ziele aus Richtlinien. Dazu Themen finden lassen . ( NRW : "mitteilen - wissen - diskutieren - machen - hoffen" - auf verschiedenfarbigen Zettel - in Datenbank sortieren lassen von S.)
Bilder werden zu Themen: Aus gleicher Bilderserie Gruppen wählen lassen: Unser Bild - es spricht uns an. Wir möchten uns aussprechen über ...
Fragebogen: Bisheriger RU / Relilehrperson. Was erwarten Sie vom RU ? Was möchten Sie hier lernen ? Welche Hindernisse sehen Sie ?
Implussätze: Ich hoffe hier werden wir nicht ... Zum RU gehört für mich ... In unserer Gruppe fühle ich mich wohl, wenn ... Von den anderen wünsche ich mir ... Ich möchte gerne einmal sprechen über...
Zitate / Textposter : Welches Thema Ihre Meinung (W. Schaube : Textposter München 1979. W. Dietrich, Zitatesammlung)
Wahl aus Listen: Lehrpläne;Rel.bücher; Eigene Listen. Wählen lassen - Abstimmen oder gewichten ? Es sollten möglichst alle Vorschläge eingebracht werden - Mehrheit siegt sollte im RU nicht gelten, weil jede und jeder wichtig ist - gerade die ExotenMeine Träume vom Leben : Welche habe ich noch - Themen finden daraus
Mein geheimes Thema und die Gruppe ; Ich habe ein Thema - ein Sachliches. Was beschäftigt mich persönlich ? Aufschreiben nur für mich - als Frage (10Min) Nicht vorlesen!!: Was erlebt - was hier machen ?
Themenpyramide: Zettel - Vorgabe und freie In Pyramide legen lassen
Rundgespräch: Was fällt euch bei dem Wort Reli ein? Gemeinsamkeiten - Unterschiede
Erfahrungsaustausch: Meine Erfahrungen mit Religion. Religiöse Erlebnisse .Relilehrer und RU
TIPPS und Bedenkenwertes
Kein Schema: Selbst Art der Themenfindung wählen lassen : Wie sollen wir unsere Themen finden? Welche Wege versuchen - mehrere ?
Jede/r hat ein Thema. Es kommt nur darauf an Wege zu ihnen zu finden. Der Umweg, der Lust macht. Übung dazu : Mein Thema Nr. 12
Rahmenbedingungen beachten : Gruppensituation bekannt - unbekannt "Niveau" - Alter - Geschlecht - Beruf Größe - Zeit -
Vorgaben oder freie Wahl? Welche Vorgaben - Abmeldung. Evangelium und Zwang. Mitbestimmung gesetzlich ASchO ! Wie offen sind Vorgaben, wie eng Wahl
Abstimmen lassen: Wo bleiben die Minderheiten ? Wo meine eigenen Wünsche ? Wie versuche ich die Balance ?
Nicht zu viele Themen wählen lassen. Nur Anfangsthema = Einstieg. Neues Finden = Zenrieren geschieht in jeder Stunde
Aus - und Fortbildung
Übung für Aus-und Fortbildung : Wie mache ich es... auf leeren Karten. Oder: unsortierte Karten vorgeben, dann Reihenfolge erstellen Ziel : Interdependenz erkennen